Emery jagt fünfer-record im skatten eines milliarden-erpresser-dramas
Im Beşiktaş-Park könnte heute ein Triumph herauskommen, der Europapokal-Geschichte wäre – und ein Fiasko, das mit 1,215 Milliarden Dollar droht. Unai Emery steht vor seinem fünften Europa-League-Titel, Aston Villas Besitzer Wes Edens vor einem Prozess, in dem er als Zeuge gegen eine Ex-Geliebte aussagen muss.
Emery vor dem hattrick, den keiner je schaffte
54 Minuten vor Anpfiff herrscht im Innenraum trotz brütender Hitze eine eigentümliche Kühle. Drei Mal gewann Emery mit Sevilla, ein Mal mit Villarreal. Niemand hat je vier Titel als Trainer, fünf mit drei Klubs wären ein Monopol auf Ewig. „Er liebt diesen Wettbewerb wie andere ihre Familie“, sagte ein Co-Trainer, und das ist keine Metapher – Emery schaut sich vor jedem Europapokal-Spiel alte Sevilla-Videos an, um die Nervosität zu spüren, die ihn wach hält.
Freiburg ist kein Aufpassgegner. Christian Streichs Mannschaft lief in dieser Saison 112 Kilometer mehr als jedes andere deutsches Team in der Gruptenphase. Die Frage ist nicht, ob sie laufen, sondern ob sie laufen, wenn Emery wieder einmal in der 70. Minute umstellt. Dann flüstert er seinen Spielern eine neue Matrix ein, und plötzlich stehen sie woanders. Die Gegner wirken wie betrunken, sagen Analysten.

Der milliarden-fetzen neben dem rasen
Während die Teams warmmachen, jagt ein anderes Duell Schlagzeilen. Die Bundesstaatsanwaltschaft New York wirft der Geschäftsfrau Changli „Sophia“ Luo vor, Edens nach einer Liaison über LinkedIn zunächst 6,5 Millionen und später 1,215 Milliarden Dollar abgenommen zu haben. Der Betrag entspricht fast der Hälfte des geschätzten Vermögens des 63-jährigen Investors. Luo drohte angeblich mit intimen Aufnahmen; sie sitzt derzeit unter Hausarrest gegen Kaution von 500 000 Dollar.
Edens wird voraussichtlich aussagen müssen. Das Verfahren könnte sich über Monate ziehen, parallel zur neuen Premier-League-Saison. Für Aston Villa bedeutet das: mögliche Unruhe bei Sponsoren, mögliche Nachfragen der Liga zur Fit-and-proper-Person-Prüfung. Keiner im Vorstand will das heute Abend hören, alle wollen nur ein Signal – den Pokal in der Hand, dann wirkt selbst ein Milliardenproblem kleiner.

Warum das finale trotzdem nicht in den schatten rückt
Die Spieler haben sich in der Kabine verpflichtet, das Thema draußen zu lassen. Kapitän John McGinn sagte am Vorabend: „Wir können keinen Tweet löschen, der Millionen kostet, aber wir können 90 Minuten Fußball spielen, die Millionen glücklich machen.“ Das klingt nach PR-Satz, ist aber eine echte Ansage. Denn wer heute gewinnt, hat nicht nur Silber, sondern auch das direkte Ticket für die Champions League. Für Freiburg wäre es das erste Mal, für Aston Villa die Rückkehr nach 42 Jahren.
Die Uhr tickt. In 13 Stunden wissen wir, ob Emery mit fünf Pokalen alleine an der Spitze steht – oder ob Streich der erste deutsche Coach seit 25 Jahren einen Europapokal holt. Was danach kommt, steht in den Akten eines New Yorker Gerichts. Der Ball rollt unbeeindruckt davon.
