Aigner nagelt slalom-ski an die wand: gold-rausch in cortina mit ersatz-guide

Veronika Aigner hat sich in Cortina d’Ampezzo mit dem goldenen Slalom-Sieg von der Paralympics verabschiedet – und dabei Geschichte geschrieben. Die 23-jährige Niederösterreicherin holte ihre vierte Goldmedaille bei diesen Spielen, ein Silber kam obendrauf. Keine österreichische Athletin hatte seit der Klassenreform 2006 jemals so viel Metall gesammelt.

Die Zahlen sprechen für sich: 4,04 Sekunden Vorsprung auf Teamkollegin Elina Stary, 9,24 Sekunden auf die Slowakin Alexandra Rexova. Doch hinter den Sekundenbruchteilen steckt eine Geschichte voller Brüche und improvisierter Allianzen. Denn Aigners Stamm-Guide Schwester Elisabeth fehlte – Kreuzbandriss. Erst sprang Lilly Sammer ein, dann übernahm Eric Digruber die Technik-Rennen. Am Samstag führte er Aigner durch die 62 Tore der Tofana-Abfahrt, fiel im Ziel auf die Knie und wusste: Das war keine Show, das war Dank.

Ein slalom für die ewigkeit – und ein abschied ohne wiederkehr

„Das war ein Slalom für die Seele“, sagte Aigner, noch bevor sie die Piste verließ. „Ich habe alles aufgesaugt, die Zieleinfahrt, das ganze Gejubel. Es war irrsinnig schön. Damit kann man gut den Slalomski an die Wand nageln.“ Die Worte klingen wie ein Gelöbnis: keine weiteren Slaloms mehr, die Knie schreien. Doch wer Aigner kennt, weiß: Sie sagt, was sie denkt – und meint es.

Digruber, eigentlich Ersatz-Guide, zweifelt noch. „Ganz sicher bin ich mir eh noch nicht, ob sie das wirklich durchzieht.“ Die Statistik spricht gegen ihn: Aigner ging in Cortina fünfmal an den Start, fünfmal fuhr sie nach Hause – vier Mal mit Gold, ein Mal mit Silber. Ein Ergebnis, das selbst ihre eigene Familien-Marke überstrahlt. Bruder Johannes hatte 2022 in Peking fünf Medaillen geholt; er könnte am Sonntag nachlegen. Derzeit steht er bei drei Gold und einer Bronze.

Österreichs medaillen-maschine läuft auf hochtouren

Österreichs medaillen-maschine läuft auf hochtouren

Das ÖPC-Team zählt vor dem letzten Tag 13 Medaillen – so viele wie vor vier Jahren in Peking. Sieben Gold, zwei Silber, vier Bronze. Rang drei hinter China und den USA, vor Italien. Für die Athleten bedeutet das nicht nur Ruhm, sondern auch klare Kasse: 15 000 Euro für Gold, 13 000 für Silber, 11 000 für Bronze. Guides kassieren die Hälfte obendrauf. Aigner schmunzelt: „Mein kleines Träumchen ist eine kleine Landwirtschaft. Das Geld wird auf die Seite gelegt.“

Elina Stary, 19, schüttelt nach dem Slalom-Silber die Schultern. Die Matura wartet, der Super-G-Sturz ist vergessen. „Es war nicht so einfach mit dem Regen oben am Start“, sagt sie. Dann lacht sie – wie man das eben macht, wenn man mit 19 schon drei Paralympics-Medaillen hat und vor der Schulbank wieder die Piste findet.

Cortina wird in Österreich nicht nur als Skiort in Erinnerung bleiben, sondern als Ort, an dem Veronika Aigner bewies: Man muss nicht perfekt gesund sein, um perfekt zu siegen – man muss nur die richtigen Leute an der Seite haben. Und die hatte sie. Zweimal.