Pinguins jagen letzten strohhalm: sieg gegen dresden reicht nicht

Am Samstagmorgen sitzen die Fischtown Pinguins im Video-Meeting, schauen sich die Chancen im Powerplay an – und wissen: Selbst ein Kantersieg gegen die Dresdner Eislöwen am Sonntag kann ihre Saison nur dann retten, wenn in München jemand die Eisbären bremst. Die Bremerhavener müssen gewinnen und gleichzeitig hoffen, dass der EHC München die Berliner stoppt. Nur so rutschen sie noch auf Platz sechs und umgehen die Pre-Play-offs.

Die rechnung ist gnadenlos

Zwei Punkte Rückstand auf Berlin, sieben Tore schlechtere Differenz. Das bedeutet: Verlängerung reicht nicht, ein knapper Sieg nicht, selbst ein 5:0 wäre nur dann genug, wenn die Eisbären mindestens in der Verlängerung kassieren. „Wir brauchen ein perfektes Spiel und dann noch ein Wunder“, sagt Kapitän Maximilian Kastner, ohne den Blick vom Eis zu nehmen. Die Stimmung in der Kabine ist angespannt, trotz des 6:4-Feuerspiels in Nürnberg.

Coach Alexander Sulzer redet nicht lange. Er zeigt die Statistik: Dresden hat seit 15 Spielen nur einmal gewonnen, ist bereits als Erster abgestiegen. Trotzdem: „Die kommen ohne Druck, können befreit aufspielen. Das macht sie gefährlich.“ Die letzte Niederlage gegen die Eislöwen datiert vom Dezember 2023 – damals gab es einen 2:3-Rückschlag, der die Saison versaute. Die Mannschaft erinnert sich.

München spielt mit – und gegen berlin

München spielt mit – und gegen berlin

Parallel zur Partie in Bremerhaven stehen die Eisbären in der Olympia-Eishalle gegen die Münchner auf dem Eis. Für die Red Bulls geht es um Rang zwei, sie haben Selbstinteresse. „Die werden Vollgas geben“, sagt Sebastian Furchner, Teammanager der Pinguins. Er hat die Koffer schon gepackt – entweder für die Play-offs oder für die lange Sommerpause. Die Spieler versuchen, sich auf das Spiel zu konzentrieren, doch alle halten ein Auge auf das Smartphone, auf die Live-Ticker.

Die Fans sind bereit. 4.500 Tickets sind verkauft, die „Pingi“-Chöre schallen bereits durch die Gänge. Die Atmosphäre wird kochend heiß, aber die Spieler wissen: Lärm allein spielt kein Tor. Die Defensive muss stehen, Torwart Mathias Niederberger wurde in Nürnberg noch mit Bier begossen – jetzt erwartet ihn der wichtigste Tag seiner Karriere.

Die uhr tickt

Die uhr tickt

Anstoß ist um 14:00 Uhr, gleichzeitig in Berlin und Bremerhaven. Die Pinguins starten mit drei Stürmerreihen, Sulzer verzichtet auf Experimente. Nach zehn Minuten steht es 1:0 für Bremerhaven, die Arena tobt. Doch die ersten Smartphones ziehen schon hoch – in München liegt Berlin mit 2:0 zurück. Die Hoffnung steigt, doch die Eislöwen gleichen aus. 1:1.

Die zweite Drittelpause ist laut, aber nervös. Die Spieler trinken Wasser, starren auf den Boden. In der Kabine nebenan läuft das München-Spiel auf Abruf. 3:1 für die Red Bulls – Berlin droht die Niederlage. Die Pinguins legen nach, 3:1, 4:1, 5:1. Die Uhr läuft runter, 15 Minuten noch. Berlin verkürzt auf 3:4. Die Spannung ist messbar.

Am Ende steht es 6:2 für Bremerhaven – ein Erfolg, aber keine Garantie. Die Spieler warten auf dem Eis, starren auf die Anzeigetafel. Dann die Erlösung: München gewinnt 5:3 gegen Berlin. Die Pinguins springen auf Rang sechs, das Viertelfinale ist gebucht. Die Arena explodiert, die Spieler fallen sich in die Arme. „Wir haben es uns selbst erkämpft und dann doch noch geschenkt bekommen“, sagt Sulzer mit einem schiefen Grinsen. Die Saison geht weiter – ohne Pre-Play-offs, dafür mit dem Gefühl, dass das Eishockeygott manchmal doch auf der Seite der Hartnäckigen ist.