Szeged zieht die jugendkarte: papp löst szücs ab und will handball-akademie revolutionieren

Edward Papp übernimmt sofort. Der 52-jährige IT-Unternehmer folgt auf Ernö Peter Szücs, der den ungarischen Topklub Pick Szeged 15 Jahre lang prägte und ihn zur europäischen Spitze führte. Papps Mission: das erfolgreichste Jugendprojekt Osteuropas starten – und das in Rekordzeit.

Der generationswechsel kommt mit excel-tabelle

Papp kennt Zahlen besser als Kreisläufe. Als CEO des Szeged-Sponsors SMP Solutions hat er Microsoft, IBM und Siemens von innen gesehen. Nun will er Algorithmen auf Torjäger anwenden. „Wir werden Talent-Tracking betreiben, wie es die NHL seit Jahren macht“, sagt er im Gespräch. „Jeder 14-Jährige bekommt ein Data-Profil: Sprintzeiten, Passquote, Herzfreqenz – und ob er Montagmorgen pünktlich zum Training kommt.“

Die Fans spüren den Umbruch. In den Kneipen entlang der Tisza diskutieren sie, ob ein Manager ohne Handballschuhe die Seele des Vereins versteht. Papp kontert mit einem Fakt: „In den letzten fünf Jahren haben wir 3,2 Millionen Euro in Infrastruktur gesteckt, aber nur 0,6 in Nachwuchs-Analytics. Das Verhältnis kippt jetzt.“

Der plan: 50 akademie-spieler bis 2027 in der ersten mannschaft

Der plan: 50 akademie-spieler bis 2027 in der ersten mannschaft

Die großen Nationen haben es vorgemacht: Dänemark, Frankreich, Spanien. Dort kommen 70 Prozent der A-Nationalspieler aus hauseigenen Akademien. Papp will 2027 auf 50 Prozent. „Momentan sind es zwölf“, rechnet er vor. „Das heißt: 38 neue Gesichter in drei Jahren. Kein Netto-Transferbudget dafür, nur systematische Förderung.“

Das Trainerteam bekommt einen Performance-Chef aus dem Eishockey, der Laufwege per GPS trackt. Erste Testspiele gegen slowenische U18-Teams endeten 34:27 und 31:24 – mit durchschnittlich 2,3 Jahren jüngeren Kadern. Die Botschaft: Tempo statt Taktik. „Moderner Handball ist Basketball mit Tor“, sagt Papp. „Wer nicht in 4 Sekhen über die Mittellinie ist, bleibt draußen.“

Ein einziger satz, der szeged erbeben lässt

Ein einziger satz, der szeged erbeben lässt

„Wenn wir scheitern, verlieren wir nicht nur Punkte – wir verlieren eine ganze Generation.“ Papp sagt das leise, aber die Wirkung ist laut. Denn hinter ihm steht nicht nur ein Sponsor, sondern ein ganzer IT-Konzern, der seine Software bald in jedem ungarischen Schulzentrum installieren will. Wenn die Akademie funktioniert, kommt das Pick-Szeged-Modell landesweit. Wenn nicht, war es ein teures Experiment.

Die erste Bewährungsprobe folgt am 12. September: Champions-League-Auftakt gegen Barcelona. Drei Akademie-Spieler sind bereits im Kader. Keine Show, sondern Stress-Test. „Wenn sie gegen den europäischen Meister bestehen, glaubt mir morgen das ganze Land“, sagt Papp. Er hat schon die Headline parat: „Pick Szeged schlägt Barça mit Excel und Herz“. Die Tabelle würde es bestätigen – und die Fans würden vergessen, dass ihr neuer Boss nie selbst Handballschuhe schnürte.