Aicher schlägt zurück: ihr bester riesenslalom reicht shiffrin zu

Platz vier – und trotzdem ein Sieg. Emma Aicher schraubt ihre persönliche Bestmarke nach oben, während Mikaela Shiffrin sich mit einem Fehltritt selbst aus dem Rhythmus bringt. Die kleine Kristallkugel im Riesenslalom aber geht an Julia Scheib.

Are verwandelt sich in ein Schachbrett der Nerven. Der Hang oberhalb der schwedischen Industriestadt ist steil, die Eisplatten glitschig, und genau diese Mischung treibt die Favoritinnen an den Rand des Machbaren. Aicher, Startnummer 7, setzt im ersten Durchgang einen Akzent: Sie liegt 1,14 Sekunden zurück, aber ihre Linienwahl ist mutig. „Ich wollte angreifen, nicht verwalten“, sagt sie später, und man hört das Knirschen der Kanten noch in ihrer Stimme.

Scheib nutzt rasts fehler konsequent

Im zweiten Lauf dann der Schalter: Die 21-Jährige aus Bad Wiessee zögert nicht, sie drückt die Ski in die Falllinie, spätestens bei der flachen Traverse hat sie Rückenwind. Die grüne Leuchttafel im Ziel bestätigt: Bestzeit. Zwei Plätze gutgemacht, 0,38 Sekunden vor Shiffrin – das reicht für die Traumnote. Die US-Amerikanerin hatte sich nach dem Patzer im ersten Lauf noch gefangen, doch die 24 Zähler, die sie an Aicher verliert, schmerzen im Kampf um die große Kugel.

Julia Scheib hat andere Sorgen. Die Steirerin fährt, als hätte jemand ihre Bremse entfernt. 1,46 Sekunden Vorsprung im zweiten Lauf – das ist keine Ansage, das ist eine Demonstration. Camille Rast, die vor ihr die Führung übernommen hatte, verliert die Nerven, geht am dritten Tor zu spät hinein und rauscht ins Fangnetz. Die Schweizerin schlägt mit der Hand auf die Schneekruste, Scheib dagegen lächelt in die ARD-Kamera: „Endlich habe ich die Kugel, die mir letztes Jahr entwischt ist.“

Nyberg und lövblom liefern das heimspiel ab

Nyberg und lövblom liefern das heimspiel ab

Das Publikum bekommt ein Schauspiel ganz nach schwedischem Rezept. Sophie Nyberg, vor dem zweiten Lauf noch Letzte, jagt mit der Startnummer 30 eine Riesenrunde heraus – 1,14 Sekunden schneller als ihre Konkurrentinnen. Hilma Lövblom übertrumpft sie kurz darauf, beide Schwedinnen feiern sich in der Zielmulde wie nach einem Weltmeistertitel. Lövblom springt von 22 auf 11, Nyberg von 30 auf 14. Das ist mehr als ein Sprung, das ist ein Statement für die Zukunft des schwedischen Skisports.

Deutschland blickt dagegen auf ein zersplittertes Ergebnis. Lena Dürr schüttelt den Kopf, als hätte sie sich selbst betrogen. Ihre 2,77 Sekunden Rückstand nach Lauf eins wuchsen auf 4,12 Sekunden an. „Ich habe nichts gefunden, null“, sagt sie knapp und rast direkt in den Mixed-Zone-Kanal hinein. Fabiana Dorigo und Jessica Hilzinger bleiben außerhalb der Top-30-Zone, Hilzinger verpasst den zweiten Lauf um 0,57 Sekunden – eine Spanne, die in Are zwischen Triumph und Trainingstag entscheidet.

Die Saison hat ihre letzten fünf Rennen, der Kampf um die große Kugel bleibt offen. Shiffrin führt mit 120 Punkten vor Aicher – ein Rückstand, der sich in einem einzigen Lauf wieder auflösen kann. Die Frage ist nicht mehr, ob die Deutsche die US-Ikone einholen kann, sondern wann. Die Antwort kommt am 20. März in Soldeu. Dort geht’s um alles – und um nichts mehr zu verlieren.