Laegreid pulverisiert das feld: nawrath versinkt im schneewirrwarr
Sturla Holm Laegreid jagt sich selbst. Der Norweger feierte in Otepää seinen 19. Weltcupsieg – und das mit einer Selbstverständlichkeit, die selbst seinen ärgsten Rivalen verstummen lässt. Für Philipp Nawrath endete der Verfolgungslauf dagegen mit einem Achter, der wehtut.
34:41,0 Minuten brauchte Laegreid für die 12,5 Kilometer, nur eine Strafrunde musste er absitzen. Dabei hätte er auch ohne Strafen nicht schneller laufen können. „Er läuft, als wäre er auf Schienen“, sagte ARD-Experte Sven Fischer. Hinter ihm kämpften sich Emilien Jacquelin und Martin Uldal auf die Plätze – mit je fünf Strafrunden, was die Klasse des Siegers nur unterstreicht.
Nawrath verliert anschluss schon beim ersten stehendschießen
Philipp Nawrath hatte nach dem Sprint noch Zuversiffern gesprüht. Platz drei im Sprint, das war mehr als ein Ausrufezeichen. Doch schon beim ersten Stehendanschlag riss der Faden. Drei Fehler, drei Strafrunden, Rang sieben. „Da war die Luft raus“, sagte er selbstkritisch. Auf der Schlussrunde versuchte er noch einmal zu kontern, doch die Beine zogen nicht mehr. Am Ende blieb Platz acht, 3:24 Minuten hinter Laegreid. Eine Welt.
Die deutschen Kollegen lieferten sich weiter hinten ein Schaulaufen der Verlierer. Philipp Horn (Platz 22), Leonhard Pfund (28), Justus Strelow (35) – sie alle hatten schon vor dem Start zu viel Rückstand. Lucas Fratzscher und David Zobel wurden 42. und 48., ihre Namen tauchten im Zielbereich kaum auf den Monitoren auf. Einzig Johannes Kühn (16.) konnte sich einigermaßen aus der Affäre ziehen.

Paralympics live im ersten – das andere fußballspiel der nation
Während Laegreid jubelte, lief parallel im ARD-Livestream der Paralympics-Wahnsinn: Para-Snowboard, Para-Langlauf-Staffel, Sledge-Hockey. Die Bilder aus Cortina zeigten, was Sport wirklich kann: Menschen mit nur einem Bein, die im Slalom die Pisten hinuntersausen, Sit-Skifahrer, die mit 80 km/h in die Kurve gehen. Die Zuschauerzahlen sprangen binnen Minuten auf über zwei Millionen – ein Wert, den man sonst nur beim Skispringen sieht.
Die Paralympics sind längst kein Nischenthema mehr. Sponsoren drängen sich, die Tickets waren restlos ausverkauft. Und während Nawrath nach dem Rennen durch den Mischbereich schlurfte, schaltete sich live ein Interview mit der deutschen Para-Langläuferin Linnéa Dörschner. Sie lachte, obwohl sie gerade Silber verpasst hatte. „Ich habe zwei Beine verloren, aber nie den Spaß am Sport.“
Laegreid wird die Saison wohl als Gesamtweltcupsieger beenden – das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Für Nawrath bleibt ein Winter, der wieder einmal höher war als gedacht. Die Frage ist nicht, ob er kann – sondern ob er es schafft, sich selbst zu überlisten. Die Antwort liegt irgendwo zwischen Otepää und Cortina, zwischen Schnee und Tränen.
