Forsters slalom-alptraum: gold-rausch wird zur 0,43-sekunden-niederlage

0,43 Sekunden. So knapp verpasste Anna-Lena Forster im Slalom von Cortina das Podest – und mit ihm die Krönung ihrer bisher besten Paralympics. Die Monoski-Königin, seit vier Jahren fast unbesiegbar in ihrer Paradedisziplin, blieb als Vierte auf der Strecke. Das reichte nicht einmal für Bronze.

Die flachpassage, die alles verspielte

Schon nach dem ersten Lauf lag die 30-Jährige aus Radolfzell 1,58 Sekunden zurück – eine halbe Ewigkeit im Slalom. Im zweiten Durchgang legte sie los wie eine Rakete, attackierte jedes Tor. Doch dann kam das Flachstück. Ein Schwung zu spät, ein Hauch zu wenig Druck auf die Kanten – und plötzlich war die Geschwindigkeit weg. Die Uhr stoppte bei +0,43 Sekunden auf Spitzenreiterin Wenjing Zhang. Platz vier. Keine Medaille. Kein Happy End.

Dabei hatte Forster diese Spiele bislang dominiert. Gold in der Abfahrt. Gold im Riesenslalom. Silber in der Super-Kombination. Nur der Super-G war vorzeitig beendet. Der Slalom sollte das i-Tüpfelchen werden. Stattdessen endet ihre Serie von 15 Siegen in Folge mit einem Kloß im Hals.

Chinas zhang nutzt die sekundenlücke

Chinas zhang nutzt die sekundenlücke

Während Forster kämpfte, rechneten die Konkurrentinnen weiter. Zhang, die in der ersten Runde noch hinter Spaniens Audrey Pascual Seco lag, drehte im zweiten Lauf auf. 0,01 Sekunden Vorsprung reichten, um die Spanierin auf Platz zwei zu verweisen. Finlands Nette Kiviranta sicherte sich Bronze – ebenfalls nur 0,16 Sekunden vor Forster. Drei Athletinnen, eine Medaille, ein Krampf.

Die Bilder zeigen Forster nach dem Finish: Sie stemmt sich aus dem Monoski, wischt sich Schnee aus dem Gesicht. Kein Tränenregen, nur leere Augen. „Ich hab alles gegeben“, sagt sie leise. Mehr bleibt nicht.

Für Cortina war das der vielleicht dramatischste Moment dieser Paralympics. 3.000 Zuschauer am Hang, Deutschland vor den Bildschirmen – und eine Viertel Sekunde, die über Triumph und Trauer entscheidet. Forster wird nach diesen Spielen als die Athletin mit dem größten deutschen Medaillenschatz dastehen. Doch der Slalom bleibt eine offene Rechnung. Bis 2030.