70-Tore-krimi in kroatien: schweizer hbl-stars drehen 35:35-spektakel
35 Sekunden vor Schluss lag die Schweiz noch zwei Tore hinten, die kroatische Arena brodelte schon Siegesstimmung. Dann schlug Magdeburgs Manuel Zehnder zu und ein 19-Jähriger aus Lemgo verwandelte mit der letzten Aktion zum 35:35. Die HBL-Armada um Samuel Zehnder hatte sich gerächt – und wie.
Dagur sigurdsson sieht seine torfabrik versagen
Der Ex-DHB-Coach hatte nach dem souveränen 34:26 am Freitag die Rechnung ohne den Rückkehrzorn der Eidgenossen gemacht. Seine Kroaten schossen zwar weiter wie am Fließband, aber hinten zerbrach das System an einem Faktum, das selten so deutlich wurde: die HBL-Qualität. Zwölf Bundesliga-Profis standen gemeinsam auf dem Feld, neun davon in der Startformation – ein Transfermarkt live im Nationaltrikot.
Die Tor-Statistik liest sich wie ein Shooter-Game. Samuel Zehnder traf zehnmal aus zehn Versuchen – perfekte Trefferquote gegen den EM-Dritten. Lukas Laube warf sieben Mal ab und ließ dem TVB-Kollegen nur einen Ball. Selbst Spielmacher Felix Aellen, sonst Dienstleister, schraubte sich auf vier Treffer. Auf der Gegenseite antwortete David Mandic mit neun Buden, doch die reichten nur zum Remis.

Torhüter-katatonia mit 17 % fangquote
Die Keeper? Statisten. Nikola Portner (Magdeburg) und Dominik Kuzmanovic (Gummersbach) hielten zusammen sechs von 36 Würfen – ein Wert, der in der HBL zur Halbzeit schon Pfiffe einheimsen würde. Doch genau diese Schießbude machte das Spektakel aus. Keine Deckung hielt länger als 20 Sekunden durch, jeder Konter endete mit einem Netzerzittern. Für Fans ein Fest, für Analysten ein Albtraum.
Schweiz-Coach Andy Schmid wischte die Keeper-Statistik beiseite: „Wir haben 35 Tore in Zagreb gemacht. Wer braucht da Paraden?“ Sein Gegenüber Sigurdsson klang wie nach einem Bahnungspokal, den man versehentlich verschenkt hat: „Wir haben die richtige Einstellung vermissen lassen, das bestraft die HBL-Erfahrung.“

Wm-ticket 2027 rückt in reichweite
Mit dem Punkt hat die Schweiz nicht nur die peinliche 26:34-Klatsche vergessen gemacht, sondern auch die Ausgangslage für die Entscheidung gegen Italien am 10. Mai verbessert. Ein Sieg in der Zürcher Swiss Life Arena würde das erste WM-Ticket seit 1995 bedeuten – damals spielten noch keine Zwölf HBL-Profis im Kader. Heute sind sie die DNA der Mannschaft.
Die Botschaft an den Rest Europas: Wer die Schweiz unterschätzt, trifft auf eine fliegende Bundesliga-All-Star-Crew mit Remis-Garantie. Zagreb hat’s gespürt, Zürich darf sich warm anziehen.
