57 Jahre nach luciens tod: der fluch der bianchis nagt noch an der formel 1

Am 30. März 1969 riss ein Telegrafenmast auf der Mulsanne die Familie Bianchi in eine Tragödie, aus der sie nie wieder auftauchte. Lucien Bianchi krachte beim Test für die 24 Stunden von Le Mans mit 300 km/h in den Stahl, sein Cooper-Ferrari zerfiel, die Hoffnung auf ein Ende des Familienfluchs ebenso.

Heute, 57 Jahre später, zittert die Motorsport-Welt noch immer, wenn der Name Bianchi fällt. Denn wer die Geschichte kennt, weiß: Das Pech ist erblich.

Erst brannte mauro, dann starb lucien

1968 schlug der Feuersturm zu. Mauro Bianchi, der Sportwagen-Spezialist, kollidierte in Le Mans, sein Ford GT40 explodierte in einer Kugel aus Benzin und Stahl. Er überlebte mit Brandnarben, die ihn bis an sein Lebensende begleiten sollten. Drei Monate zuvor hatte sein Bruder Lucien noch den Klassiker gewonnen – neben Pedro Rodriguez, der 1971 auf dem Norisring folgen sollte. Der Sieg schmeckte nach Asche.

Ein Jahr später war Lucien dran. Der Belgier, der in Spa 1959 als Sechster debütiert hatte und 1968 endlich sein erstes Monaco-Podest feierte, prallte gegen den Mast. 17 Grand-Prix-Starts, null Flucht aus der Schleife des Schicksals.

Mauro legte den Helm hin. Er ging zu Venturi, baute statt zu fahren. Doch das Gen war längst weitergegeben.

Jules fuhr in den tod, den seine großonkel erfanden

Jules fuhr in den tod, den seine großonkel erfanden

2014 schickte die Familie ihren jüngsten Spross ins Verderben. Jules Bianchi, 25, Suzuka, sintflutartiger Regen. Sein Marussia rutschte unter ein Abschleppfahrzeug, das Gehirn quetschte sich gegen die Schädeldecke. 285 Tage Koma, dann die Nachricht, die die Formel 1 in ihre schärfste Zukunftskrise stürzte.

Die Konsequenz: Halo. Ein Titanbügel, der inzwischen Zhou Guanyu in Silverstone und Charles Leclerc in Spa rettete. Leclerc, Jugendfreund Jules’, sagte nach dem Silverstone-Flug: „Ich war nie ein Fan, aber heute bin ich froh, dass er da ist.“ Der Fluch produziert seine eigenen Gegenmittel.

Die Bianchis haben der Königsklasse dreimal das Gewicht des Todes aufgebrummt – und ihr damit das Leben zurückgegeben. Ein Teufelspakt, den keiner der Beteiligten je unterschrieben hat.

Heute, 57 Jahre nach Luciens letztem Atemzug, steht fest: Wer in Monza, Monaco oder Le Mans an die Stahlseile denkt, denkt an die Familie, die das Risiko erfand – und bezahlte. Die Bianchis sind nicht mehr auf der Strecke, aber ihre Spalten aus Pech und Titan halten die Formel 1 noch immer auf Kurs.