Polonara steht wieder auf dem parkett: nach leukämie und koma der basketball zurück
Zehn Monate nach der Diagnose Myeloische Leukämie, einem Knochenmarkstransplantat und einem zweiwöchigen Koma rollt der Ball wieder über Achille Polonaras Fingerspitzen. Der 33-Jährige postete ein Video aus der PalaSerradimigni in Sassari – sein erster Wurf nach der Hölle.
Der dunkle tunnel fing mit einer nase an
„Ich roch einfach nichts mehr“, erzählt der Forward der italienischen Nationalmannschaft. „Dann kamen die blauen Flecken, das Fieber, die finale Diagnose am 13. Juni 2025.“ Die Final-Serie mit Virtus Bologna war sofort gestrichen, statt Play-off-Heldentum lag ein Zentralvenenkatheter in seiner Brust. 100 Tage Isolation, Septembers Transplantat, Oktober Koma – die Timeline liest sich wie ein medizinisches Gutachten gegen jede Sportkarriere.
Draußen tobte die Liga weiter, drinnen verlor Polonara 18 Kilo. „Ich aß nicht, trank nicht, wollte niemanden sehen. Das Zimmer immer dunkel, meine Frau Erika die einzige, die noch durchkam.“ Die Kinder fragten: „Papa, was ist ein Koma?“ Er antwortete nicht, weil er selbst keine Antwort kannte. Stattdessen hörte er Stimmen – „eine Art Reise in eine andere Dimension, offline von dieser Welt“, beschreibt er die Koma-Tage.

Der wendepunkt war eine geburtstagsparty
Am 23. November kam Marco Belinelli und brachte Pizza. Daniele Visconti schlepfte einen Kuchen mit Kerzen. „Ich weinte wie ein Kind, das erste Mal wieder.“ Von da an ging es um Millimeter: ein Schritt zum Flur, ein Schluck Wasser, ein Lächeln. Die Biografie „Il mio secondo tempo“ entstand parallel – geschrieben mit Sportjournalist Marco Garavaglia zwischen Chemo und Physio. „Ich dachte, ich warte bis nach der Karriere, aber das Buch war mein Training für den Kopf.“
Die Sensation: Sein Körper spielt mit. Blutwerte stabil, keine GvH-Reaktion, keine Infektion. In Valencia schluckt er seit einer Woche experimentelle Tabletten, die Rezidiv-Risiko von 35 auf unter 10 Prozent drücken sollen. „Sicherheit braucht zwei, drei Jahre“, sagt er. „Aber ich bin bereit, jeden Tag zu boxen.“

Sassari zittert, polonara plant
Der Klub kämpft im Tableau gegen den Abstieg, ohne seinen Top-Rebounder. „Ich bin Fan mit Trainingsanzug“, lacht er. „Jeder Spieltag eine Finale, wir schaffen das.“ Mit Ballkontakt ist vorerst Schluss – Sturzverletzungen könnten das Immunsystem triggern. Erst nach dem Sommer darf er wieder Einwurf üben, dann will er mit der 33 auf dem Rücken zurückkommen. „Das Nummernschild ist reserviert, Visconti hat’s schon versucht – vergeblich.“
Ein Tattoo soll die Narben überdecken, das Motto steht schon fest: „La vittoria più grande non è alzare un trofeo, ma riuscire ad alzarsi da soli.“ 1,2 Millionen Views zählt sein Training-Clip auf Instagram. Die Kommentare sprechen Bände: „Benvenuto di nuovo a casa, capo.“ Für Polonara ist das kein Happy End, sondern eine Overtime. Und Overtime kann er gewinnen.
