4:3-Sieg gegen die schweiz: nagelsmanns schummel-selbstvertrauen vor der wm

Basel, spät, laut, sieben Tore. Deutschland gewinnt 4:3 gegen die Schweiz – und Julian Nagelsmann tut danach, als hätte er gerade nur den Rasen gemäht. Kein Donner, keine Schelte, nur ein Lächeln: „War was?“

Florian wirtz spielt wie im endspiel, hinten wackelt ein halbes team

Wirtz trifft doppelt, leitet zwei weitere Tore ein und wirbelt mit einem Ball, der eigentlich schon im Aus war, zum 3:2 ins Eck. Die Art von Treffer, die Kinder nachmachen und dabei die Turnschuhe zerreißen. Davor und danach jedoch: Tah und Schlotterbeck wie ein offener Fahrplan, Goretzka und Stiller so leicht zu umkurven wie ein Baumstamm im Bach. Die Schweizer laufen durch die Lücken, als gäbe es Eintritt frei.

Die Logik sagt: Ein Bundestrainer müsste schreien. Stattdessen verteilt Nagelsmann Schulterklopfen wie ein Flugbegleiter Bonbons. Schlotterbeck bekommt ein „Haken dran“, Sané eine Extraration Vertrauen, Havertz ein „Unterschiedsspieler“-Etikett. Das ist kein Kuschelkurs, das ist ein kalkuliertes Psychoprogramm. Er weiß: Wer in März zerfetzt, kann im Juli nicht mehr flicken.

Warum das 4:3 ein schachzug ist – und nicht nur ein sieg

Warum das 4:3 ein schachzug ist – und nicht nur ein sieg

Die WM rückt näher, 73 Tage, 26 Plätze. Nagelsmann spielt Roulette mit offenen Karten. Er testet, welche Seele Druck verträgt und welche nicht. Sané darf erneut ran, Karl darf den Altstar überholen, Goretzka darf seine Fehler selbst ausbügeln. Der Trainer kauft sich Zeit und verkauft Selbstvertrauen im Großpack.

Die Gegentore? Er liest sie als Lehrstoff. Die Chancen, die Havertz vergeigt? Er zählt sie als Fitnesszins. Die Defensive, die aussieht wie ein Schweizer Käse? Er nennt sie „arbeitsintensive Baustelle“. Dabei weiß er genau: Gegen Ghana in Stuttgart wird das Spielchen wiederholt. Wer da nicht steht, fliegt raus – aber bis dahin darf jeder noch mal aufs Podest.

Am Ende des kalten Abends im Joggeli steht eine Mannschaft, die sich selbst für unbesiegbar hält – obwohl sie dreimal hinten lag. Das ist kein Zufall, das ist Nagelsmanns Plan. Er schenkt Zucker, weil er weiß: Wer im Frühling gebauchpinselt wird, beißt im Sommer zu. Und wenn dann in Nordamerika der Gegner trifft, hat Deutschland vielleicht gerade deshalb den besseren Start, weil es im März schon mal siebenmal ins Netz zitterte.