30 Minuten, 30 jahre, 30 tore: mertens wirft deutschland zum sieg und sich selbst ein fest
Lukas Mertens trat gegen Ägypten nur für eine Halbzeit an – und schrieb trotzdem die ganze Geschichte. Vier Würfe, vier Treffer, ein Kempa zum Träumen, und dazu ein Geburtstag wie im Kinderbuch. 14.000 Zuschauer in Bremen sangen „Happy Birthday“, während der Linksaußen die deutsche Handball-Auswahl mit 34:33 über die Ziellinke bugsierte.
Die zahlen lügen nicht: 4/4 und ein seitenwechsel
Mertens‘ Perfektion war keine Folge von Dauerbeschuss, sondern die Antwort auf eine drohende Gegenwehr. Nach dem Seitenwechsel schrumpfte der 19:13-Vorsprung auf einen Treffer, doch die Statistik neben seinem Namen blieb makellos. „Wenn du vor 14.000 Leuten Urlaub bekommst, brauchst du kein Ticket mehr fürs Theater“, sagte er später, die Stimme immer noch heiser vom Jubel.
Hinter der Arena wartete schon der nächste Akt: Etwa 100 Kilometer Luftlinie trennen Bremen von Wilhelmshaven, wo seine Familie auf ihn brennt. „Ich habe heute Schokobrownies vom Koch geschenkt bekommen – und 30 SMS, die alle sagen: Beeil dich, wir haben den Kuchen schon angeschnitten“, lachte der 30-Jährige. Der SCM-Star durfte sich sogar eine Auszeit gönnnen, weil Nationalcoach Alfreð Gíslason seine Rotation auf dem Prüfstand sieht. Das Experiment gelang, weil Mertens die Ruhe behielt, während Ägypten in der Kabine laut wurde.

Xavi pascal und die lautstärke der wende
„Die Ägypter haben sich zusammengerauft, vor allem Xavi Pascal schreit gern mal“, berichtete Mertens. „Aber wir haben den Vorsprung aus der ersten Halbzeit mitgenommen und über 60 Minuten verdient gewinnen.“ Der Afrikameister spielte sich in einen Rausch, doch Deutschland hatte die Nerven – und den Treffer in letzter Sekunde. Die Entscheidung fiel, nachdem Mertens längst auf der Bank saß und mit seinen Angehörigen jubelte.
Der Geburtstag ist damit Geschichte, die Saison nicht. In zwei Tagen geht’s nach Wien ins dritte Testspiel, und Mertens wird wieder dabei sein. Dann ohne Brownies, aber mit demselben Selbstvertrauen, das ihm am Sonntag die 30er-Marke bescherte. 30 Jahre, 30 Tore, 30 Minuten Glück – und eine Nation, die plötzlich wieder an Handball denkt. Manchmal reichen vier Würfe, um eine ganze Woche zu versüßen.
