17-Jahre und schon rekordjäger: wie wael mohya gladbachs abstiegsangst vertreibt
Ein Teenager rückt im Borussia-Park die Machtverhältnisse neu. Wael Mohya, 17, frisch vom St.-Antonius-Gymnasium, lässt 125 Jahre Vereinsgeschichte wie Schulhefte wirken – und trifft, während andere um ihre Karriere zittern.
Der rekordsturm im trikot mit dem fohlen
Seit seinem 89-Minuten-Treffer in München steht Mohya für alles, was Gladbach gerade fehlt: Tempo ohne Bremse, Mut ohne Altersprüfung, Torgefahr ohne Gewöhnungsphase. 17 Jahre, zwei Monate, drei Tage – diese Zahlen reißen Marco Villas 29-jährige Bestmarke einfach weg. Trainer Eugen Polanski spricht von „einem Jungen, der sich keine Sekunde versteckt“, und meint damit mehr als nur Laufbereitschaft.
Die Prognose für Freitag (20.30 Uhr, FC St. Pauli) ist laut: Mohya von Anfang an. Nicht weil die Startelf ein Experiment braucht, sondern weil Gladbach in den Keller-Duellen gegen Köln und Heidenheim jeden Meter Schwung mitnehmen will, den der Youngster erzeugt. „Wir müssen punkten, klar. Aber wir müssen auch zittern lernen, und Wael kann das Spiel in Sekunden umkrempeln“, sagt Sportchef Rouven Schröder.

Warum die niederlage in münchen trotzdem nachhilfe gab
Der 1:4-Endstand schmerzt, doch Mohyas Volley aus 14 Metern offenbarte eine Lücke im Bayern-Gehäuse – und eine bei den Gladbachsen. Seit Wochen hängt der Mannschaft eine Last um 30 Millionen Euro Marktwertverlust und die Angst vor dem zweiten Abstieg seit 1999 an den Stiefelspitzen. Mohya spürt das nicht. Er spielt, als wäre die Tabelle ein TikTok-Video: ein Swipe, und alles kann anders aussehen.
Datencheck: In seinen 96 Bundesliga-Minuten erzielte Mohya 0,94 Tore pro 90 Minuten – besser als Topscorer Haris Tabakovic (0,52). Dazu 3,2 erfolgreiche Dribblings, 85 Prozent Passquote, 11 Ballgewinne im Mittelfeld. Zahlen, die sich lesen wie Scoutingserien, aber auf dem Platz wie pure Drohkulisse anmuten.

Die nächsten rekorde, die nur auf ihn warten
Sollte Mohya gegen St. Pauli treffen, jagt er Martin Dahlins 16-Sekunden-Blausäure gegen den BVB oder Robin Hacks 177-Sekunden-Doppelpack im Derby. Doch das interessiert ihn gerade so viel wie TikTok-Likes: „Ich will, dass die Fans nach dem Abpfiff jubeln, nicht nach dem Rekordbuch greifen.“
Die Reihe der engen Partien beginnt am Freitag. Für Gladbach geht es um 70 Millionen Euro TV-Gelder, um Planstellen, um das Selbstbild eines Traditionsklubs. Für Mohya ums pure Spiel. Vielleicht reicht genau diese Mischung aus Naivität und Killer-Instinkt, um die Saison noch zu drehen.
Die Uhr tickt. Aber sie tickt plötzlich für den Gegner.
