Bulgarien feiert radsport-comeback: mihaylov blickt zurück und nach vorn
Burgas, Bulgarien – Ein Gefühl von Stolz liegt in der Luft, als Bulgarien zum ersten Mal seit Jahren wieder Gastgeber einer Etappe der Giro d’Italia ist. Nikolay Mihaylov, einst selbst Teilnehmer der prestigeträchtigen Rundfahrt, blickt voller Emotionen auf seine Zeit zurück und sieht im aktuellen Ereignis eine Chance für den bulgarischen Radsport, endlich wieder in den Fokus zu rücken.
Ein unvergessliches erlebnis im jahr 2015
Elf Jahre sind vergangen, seit Mihaylov als erster bulgarischer Fahrer überhaupt am Giro d’Italia teilnahm. Das Jahr 2015 bleibt ihm in lebhafter Erinnerung: „Es war eine einzigartige, unvergessliche Erfahrung. Die anspruchsvollen Etappen, die Herausforderungen, die unglaubliche Atmosphäre – all das hat mich tief beeindruckt.“ Besonders die Tifosi, die Fans entlang der Strecke, mit ihren frenetischen Anfeuerungsrufen, haben ihn nachhaltig berührt.
Er erinnert sich an die siebte Etappe, auf der er Teil einer langen Fluchtgruppe war: „Ich habe fast den ganzen Tag an der Spitze der Fahrt gelitten, aber das Gefühl, die Führung zu übernehmen und die Jubelrufe des Publikums zu spüren, war einfach unglaublich.“ Sein bestes Ergebnis war ein 15. Platz auf einer Etappe, ein Beweis für seinen Kampfgeist und seine Ausdauer.

Mehr als nur ein rennen: stolz und verantwortung
Für Mihaylov war die Teilnahme am Giro d’Italia weit mehr als nur ein Rennen. Als erster bulgarischer Fahrer trug er eine große Verantwortung auf seinen Schultern: „Es war eine Ehre, mein Land repräsentieren zu dürfen, und ich habe versucht, dies bestmöglich zu tun.“ Er trug nicht nur die bulgarische Nationalmannschafts-Trikot, sondern auch die des CCC Sprandi Teams, das als Underdog in das Rennen ging und mit einer Wildcard überraschte.
Mihaylov beschreibt sich selbst als vielseitigen Fahrer, der sowohl in Bergwertungen als auch in Einzelzeitfahren und Ausreißerversuchen erfolgreich war: „Ich war ein echter Rouleur, ein Fahrer, der sowohl Kraft als auch Ausdauer mitbrachte.“

Eine chance für den bulgarischen radsport
Heute lebt Mihaylov mit seiner Frau und seiner vierjährigen Tochter in Sofia. Er sieht die Austragung der Giro d’Italia in Bulgarien als eine wichtige Chance, das Interesse am Radsport im eigenen Land zu wecken: „Ich hoffe sehr, dass diese Veranstaltung dazu beiträgt, dass mehr Menschen erkennen, wie faszinierend dieser Sport sein kann.“
Die drei bulgarischen Etappen versprechen ein Spektakel. Besonders die zweite Etappe mit dem Anstieg zum Kloster Lyaskovets dürfte entscheidend sein. Mihaylov erwartet eine spannende Schlussphase: „Die Ankunft in Veliko Tarnovo, einer historischen Stadt mit einer beeindruckenden Festung, wird ein unvergesslicher Moment sein.“
Als Favorit für den Gesamtsieg sieht er Jonas Vingegaard, aber betont: „Beim Giro d’Italia ist alles möglich. Es wird ein spannendes Rennen, und es ist eine große Ehre für Bulgarien, Teil davon zu sein.“
Die Zukunft des bulgarischen Radsports hängt nun davon ab, ob diese einmalige Gelegenheit genutzt wird, um langfristige Investitionen und eine breitere Basis zu schaffen. Mihaylov blickt optimistisch in die Zukunft: „Die Leidenschaft für den Radsport lebt in Bulgarien, und ich bin überzeugt, dass wir bald wieder Fahrer von Weltformat sehen werden.“
