Thw kiel: mehr als nur filip jícha – ein club im umbruch?
Die Diskussion um den THW Kiel brodelt – und sie darf sich nicht auf Filip Jícha beschränken. Denn hinter den Ergebnissen und den Personalproblemen liegt ein tiefergehendes Problem, das den gesamten Verein betrifft. Es geht um die Frage, wie man den Anspruch des Rekordmeisters mit der aktuellen Realität vereinbaren kann – und wer die Verantwortung dafür zu übernehmen bereit ist.
Eine legende im zwielicht
Filip Jícha ist unbestritten eine Kieler Ikone. Seine Leistungen als Spieler sind legendär, und auch als Trainer hat er Erfolge gefeiert. Drei Deutsche Meisterschaften, zwei Pokalsiege und der Champions-League-Titel sprechen für sich. Doch dieses siebte Jahr als Cheftrainer fühlt sich an wie ein unbeschriebenes Blatt, ein endloser Kreislauf aus Enttäuschungen und verpassten Chancen. Der THW wirkt nicht mehr wie der THW, und das ist weitaus besorgniserregender als eine Reihe von Niederlagen.

Die kader-pleite und die frage der belastung
Platz fünf in der Bundesliga – für die meisten Vereine ein Achtungserfolg. Für den THW Kiel jedoch eine Demütigung. Die Abwesenheit von Schlüsselspielern wie Madsen, Skipagötu, Johansson und Bilyk hat natürlich seine Spuren hinterlassen. Dass der Trainer in Wetzlar zwei 18- und 19-jährige Spieler einsetzen musste, offenbart die desolate Situation im Rückraum. Es ist nicht nur ein Zeichen von Pech, sondern auch von fragwürdiger Kaderplanung und Belastungssteuerung. Domagoj Duvnjak, der mit fast 38 Jahren immer noch das Herz und die Seele des Teams verkörpert, muss teilweise 60 Minuten durchhalten – ein Zeichen dafür, dass der Verein zu sehr von einzelnen Spielern abhängig ist.

Verantwortung übernehmen – jetzt!
Es wäre naiv anzunehmen, dass Jícha die alleinige Verantwortung für die Misere trägt. Das Trainerteam, die medizinische Abteilung, die sportliche Leitung und sogar der Aufsichtsrat müssen sich kritisch hinterfragen. Wurde die Kaderplanung ausreichend berücksichtigt? Passt die Spielidee zum vorhandenen Personal? Werden die Spieler optimal belastet? Uwe Schwenker, der langjährige THW-Manager, hat völlig zu Recht zu Ruhe und Besonnenheit gemahnt. Es gilt, die Situation nüchtern zu analysieren und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ein Reflexartiges Aufschreien und eine Trainerdiskussion sind kontraproduktiv.

Ein neuer wind für den thw?
Die Mannschaft wirkt festgefahren, die Identität ist verschwommen. Manchmal ist sie emotional, manchmal kraftlos. Es braucht einen Impuls, einen neuen Blick – vielleicht sogar einen neuen Trainer, der nicht Teil dieser langen gemeinsamen Geschichte ist. Ein Wechsel im Sommer wäre kein Schuldeingeständnis, sondern eine Chance, die Ära Jícha einigermaßen sauber zu beenden und dem Verein neue Energie zu geben. Es geht darum, die Vergangenheit zu würdigen, aber gleichzeitig den Blick nach vorne zu richten. Die sportliche Führung muss sich fragen: Welchen Handball wollen wir spielen? Wie viel Tempo, wie viel Teamgeist, wie viel individuelle Klasse? Die Antworten auf diese Fragen müssen gefunden werden – und zwar schnell. Denn der THW Kiel verdient mehr als Platz fünf.
Die Saison ist zwar noch nicht vorbei, aber eines ist klar: Der THW Kiel steht vor einer Zerreißprobe. Die Verantwortlichen müssen jetzt handeln – und zwar mit Weitsicht und Entschlossenheit. Sonst droht der Verein, den Anschluss an die Spitze zu verlieren. Die Frage ist nicht, ob der THW Kiel wieder aufsteigen kann, sondern ob er seine Identität und seinen Stolz zurückerobern kann. Und das beginnt mit der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – und zwar unabhängig von der anstehenden Partie gegen Nasice.
