Greuther fürth verliert ihre tor-garantie: hrgota geht nach 69 toren
Branimir Hrgota packt seine Tore-Schleuder ein. Nach 238 Spielen, 69 Treffern und sieben Jahren als Identifikationsfigur verlässt der schwedische Kapitän die SpVgg Greuther Fürth auf eigenen Wunsch – mitten im Abstiegskampf, zwei Spieltage vor Saisonende.
Fürstner dankt: „unsere tor-garantie zieht weiter“
Sportdirektor Stephan Fürstner schluckt. „Er ist ein unglaublich verdienter Spieler und deshalb müssen wir seine Entscheidung, eine neue Herausforderung zu suchen, auch akzeptieren“, sagt er am Dienstag und klingt dabei, als würde er selbst nicht recht daran glauben. 2019 war Hrgota als Edel-Reservist von Eintracht Frankfurt an den Ronhof gekommen – und blieb länger als in jeder seiner Stationen zuvor.
Die Bilanz liest sich wie ein Lehrbuch des modernen Zweitliga-Angreifers: 69 Tore, 41 Vorlagen, unzählige Gegner, die sich nach seinem starken linken Fuß umdrehten. Doch die Zahlen erzählen nur die Hälfte. Hrgota wurde zur Leitfigur in einer Zeit, in der Fürth zwischen Erstliga-Abstieg und erneutem Aufstieg hin- und hergerissen war. Er trug die Binde, schrie seine Mitspieler an, schlug sich mit Schiedsrichtern, tröstete Junioren, organisierte Fan-Geschenke.
Jetzt der abrupte Cut. Der Vertrag läuft aus, Verhandlungen? Fehlanzeige. „Als ich 2019 nach Fürth kam, habe ich nicht gedacht, dass es die längste Station meiner Karriere wird“, sagt der 32-Jährige. Seine Worte klingen nach Abschied ohne Rückfahrkarte.

Restprogramm wird zur zitterpartie ohne ihren mr. clutch
Das Timing ist perfide. Die Franken stecken auf Rang 17 im Quicksand fest, nur zwei Punkte trennen sie vom rettenden Ufer. Am Sonntag gastiert die Mannschaft bei Hertha BSC, am 34. Spieltag empfängt sie den direkten Konkurrenten Fortuna Düsseldorf. Hrgota wird beide Partien bestreiten – aber mit dem Wissen, dass es die letzten sind.
Trainer Alexander Zorniger muss nun eine Lösung finden, wie er 13 Saisontore und die mentale Präsenz seines Kapitäns ersetzt. Dickson Abiama? Noch zu unerfahren. Ragnar Ache? Verletzungsanfällig. Die Scouting-Abteilung dürfte in den nächsten Tagen kaum vor Sonnenaufgang schlafen gehen.
Für Hrgota beginnt ein Kapitel, das er selbst „neue Herausforderung“ nennt. Der VfL Bochum soll schon lauschen, auch der 1. FC Kaiserslautern hat telefoniert. Eine Rückkehr in die Bundesliga wäre möglich, ein Auslandsengagement genauso. Der Schwede selbst schweigt über seine Zukunft – erst einmal will er den Klub, der ihn zum Idol erkor, mit letzten Toren über Wasser halten.
Am Ronhof wird man ihn vermissen. Nicht nur, weil er Elfmeter verwandelte. Sondern weil er in sieben Jahren aus einem Bundesliga-Absteiger wieder einen Aufstiegskandidaten formte. Wenn am 34. Spieltag die Kurve „Danke, Branimir!“ skandiert, dürfte selbst der harte Kern der Kleeblatt-Fans eine Träne wegwischen. Danach geht’s ohne Mr. Clutch weiter – mit Hoffnung, aber ohne Tor-Garantie.
