Zverev zittert sich in tiebreak-wahnsinn nach miami: die show geht weiter

Mit zwei Mal sieben zu vier, sieben zu eins – das klingt nach Routine, war aber blanker Stress. Alexander Zverev hat sich am späten Montagabend in Miami durch die French-Roulette-Variante der Tennis-Sets geprügelt und steht trotzdem: Viertelfinale. Quentin Halys, Rang 111, nagte 1:45 Stunden an Olympia-Drittem, warf 16 Asse, wehrte zwei Matchbälle ab und musste dennoch gehen. Die Zahlen lügen nie – aber sie verraten auch nicht, wie laut der französische Wildcard auf der Südtribüne gestohlene Breakbälle zelebrierte.

Halys raubt zverev die ruhe – und bringt ihn in topform

Kein Break durch. Kein einziges. Dafür zwei Tiebreaks, in denen Zverev wie ein Blackjack-Profi kalt mitzählt. Er riskiert den zweiten Aufschlag, schlägt ihn wie einen Ersten – und trifft. „Ich habe heute mein Serving-Roulette gewonnen“, sagt er mit dem trockenen Hamburger Humor, „nicht mein Return-Lotto.“ Die 16 Asse sind keine Statistik, sie sind Lebensversicherung. Ohne sie wäre der 26-Jährige längst auf dem Weg zum Hotelstrand.

Das Mini-Break zum 4:2 im ersten Tiebreak kommt wie ein Faustschlag in einer Schlägerei, die sonst nur mit Distanzstöcken ausgetragen wird. Halys schafft 4:4, doch Zverev schaltet einen Gang höher: Volley-Stop, Aufschlag-Winner, Return-Fehler – 7:4. Satz eins gehört ihm, der zweite sollte eigentemlich lockerer verlaufen. Pustekuchen. Bei 5:4 und 40:15 auf eigenem Aufschlag serviert Zverev erstmals unter Druck, Doppelfehler, Vorhand-Longline knapp out – zwei Matchbälle weg. Das Stadion kocht, Halys jubelt wie nach einem Grand-Slam-Titel. Doch der Deutsche bleibt stur: erst 6:6, dann 3:0 im Tiebreak – ein Doppelfehler des Franzosen liefert das Break, 7:1 besiegelt die Nachtschicht.

Jetzt droht wieder sinner – und ein déjà-vu mit ansage

Jetzt droht wieder sinner – und ein déjà-vu mit ansage

Francisco Cerundolo wartet im Viertelfinale, ein Argentinier mit Sand im Gepäck, aber Hartplatz im Herzen. Die eigentliche Drohkulisse aber heißt Jannik Sinner. Der Italiener zerlegte Alex Michelsen 7:5, 7:6 und bildet mit Frances Tiafoe die andere Hälfte des oberen Tableaus. Sinner gegen Zverev – das war in Indian Wells die halbe Endstation, dort gewann Sinner, schnappte sich den Titel und ließ Zverev mit dem Satz „Nächstes Mal“ stehen. Das nächste Mal könnte schon Freitag sein, wenn beide ihre Viertelfinals gewinnen. Die Wettquoten sprechen klar für den Weltranglistenersten, aber Miami liebt Narrative – und Zverev liebt Revanchen.

Deutschland ist längst abgestellt, Laura Siegemund war die letzte, die den Koffer packte. Zverev trägt jetzt Trikot und Druck allein. Die 9,4 Millionen Dollar Preisgeld? Davon sieht er erst mal nichts, außer die nächtliche Arena, die Hitze, die zwischen 23 und 28 Grad pendelt, und den Geruch von frisch verlegtem Hartplatz, der sich mit Schweiß mischt. „Ich will Samstag wiederkommen“, sagt er – das ist der Tag des Finales. Keine Phrasen, nur Programm.

Um Mitternacht Ortszeit verlässt er den Court, Schläger unter den Arm geklemmt wie ein Golfschläger. Die Fans rufen „Sascha“, er winkt kurz. Die Show geht weiter, und wer jetzt denkt, zwei enge Tiebreaks seien das Maximum an Dramik, hat Miami nie erlebt. Die nächste Runde ist erst der Auftakt – und Zverev hat seinen Nervenkrieg erstmal gewonnen.