Baskets koblenz: vom abstiegskampf zum angriff auf die playoffs
Vor zwölf Monaten noch ein Klub mit Klassenerhalt-Angst, heute ein Turbo-Angriff, der die Pro A aufmischt. Die Baskets Koblenz schreiben nach dem Sommer-Umbruch die bisher wildeste Turnaround-Story der Saison – und träumen laut davon, 2028/29 unter den ersten vier Teams zu stehen.
Neue philosophie, neue tabelle
Stephan Dohrn, 38, sagt das so knapp, wie er seine Mannschaft coacht: „Wir haben kein Defensiv-Projekt mehr, wir haben ein Offensiv-Projekt.“ Das klingt simpel, wirkt aber wie ein Schock. Nach zwei Jahren, in denen Koblenz mit 16. und 15. Platz nur durch fremde Patzer überlebte, stellt der frühere Pro-B-Meistertrainer mit Sportchef Thomas Klein einen Kader zusammen, der durch Tempo, Distanzwurf und schnelles Nachsetzen glänzt. Ergebnis: Platz 10 nach 26 Spieltagen, 83,4 Punkte im Schnitt – vor Jahresfrist waren es 71,3.
Die Zuschauer spüren den Unterschied. Patrick Schnitzler sitzt nach dem 93:95 gegen Paderborn noch in der Halle, Atemlos. „Die Jungs spielen mit Plan. Nicht mehr diese orientierungslosen letzten zehn Sekunden, sondern klare Optionen, Positionen, Timing.“ Die Niederlage schmerzt, weil sie den Sprung auf Rang acht verpasst hätte, aber sie belegt auch: Koblenz spielt plötzlich mit den Großen.

Kein schnellschuss, sondern ein drei-jahres-kalkül
Thomas Klein betont ständig, dass er kein Transfer-Feuerwerk für eine Saison wollte. „Wir bauen ein Gerüst, nicht ein Kartenhaus.“ Die Verträge von Top-Scorer Jannis Sonnefeld und Point Guard Leon Friederici laufen 2027, die meisten Neuzugänge sind 22 bis 25 Jahre alt. Das Ziel: jedes Jahr drei bis vier Prozent Steigerung in Effektivität, Rebound-Quote und Ballverlust-Kontrolle. „2028/29 wollen wir in der Vier-Gruppe sitzen, dann reden wir über Aufstieg“, sagt Klein.
Die Fans wollen vor allem Stabilität. Maya Rosenzweig erlebte seit 2019 drei Trainerwechsel, zwei Insolvenzgerüchte und dutzendweise Abgänge. „Ich hoffe, dass endlich ein Team bleibt, das zusammenwichst und nicht jeden Sommer neu erfunden wird.“ Ronny Zenker pflichtet ihr bei: „Wenn wir 2026 schon Playoffs schaffen, ist das Sahne. Aber ich will 2029 noch diese Starting Five erkennen.“

Playoff-tür ist noch einen spalt offen
Nach der Krimi-Niederlage gegen Paderborn beträgt der Rückstand auf Rang acht vier Punkze bei noch fünf Partien. Die Rechnung ist hart, aber nicht unmöglich: bei drei Siegen und zwei Pleiten der Konkurrenz plus eigenem Sweep kann Koblenz noch auf Platz acht springen. Sonnefeld schickt die Botschaft in die Kabine: „Wir haben den Fight nicht verloren, wir haben nur einen Satz verloren. Tennis geht über drei Sätze, Basketball über 34 Spieltage.“
Die Auswärtsreise nach Ehingen am Freitag wird zum ersten Matchball. Verlieren, und die Saison ist gestorben. Gewinnen, und die Arena glüht wieder – genau das Szenario, das Dohrn liebt. „Druck ist nur ein anderes Wort für Möglichkeit.“
Für den Rest der Liga ist die Warnung klar: Wer Koblenz noch auf dem Plan hat, trifft nicht auf den Angstgegner der vergangenen Jahre, sondern auf eine Mannschaft, die in jedem Viertel 25 Punkte erzwingt und dabei fast schon Spaß hat. Die Tabelle lügt nicht, aber sie verrät auch noch nicht das Ende der Geschichte. 2026 ist der Anfang, 2029 der erklärte Endpunkt – und zwischendurch kann alles passieren, selte ein Spitzenteam, das vor zwölf Monaten noch niemand auf der Rechnung hatte.
