Zsc lions entkommen dem k.o. – fazzinis penalty bleibt an der linie kleben

Die Scheibe tanzte auf der roten Linie, als hätte sie Angst, einzutauchen. 57 Sekunden vor der zweiten Pause rotierte der HC Lugano auf dem Eis der Swiss Life Arena, bereit, die Partie gegen die ZSC Lions endgültig zu drehen. Dann kam Luca Fazzini, 30 Tore in der Saison, Arm ausgekugelt, Blick leer wie Eis. Er verzögerte, verzögerte noch einmal, ließ Goalie Jakub Hrubec die Hüfte senken – und schaufelte den Puck genau in den Winkel, wo Latte und Pfosten sich küssen.

Der treffer, der keiner war

Was folgte, war kein Jubel, sondern ein Kollektivzögern. Die Scheibe klatschte an die Stange, flog senkrecht nach unten, streifte den linken Pfosten und blieb liegen – 1,8 cm vor der Torlinie, so viel zeigte die spätere Vermessung. Hrubec griff ins Leere, Luganos Bank sprang bereits hoch, doch der Linesman schüttelte nur den Kopf. Kein Tor. Kein Video-Beweis nötig. Die Lions atmeten durch, das Stadion ächzte.

Die Szene war umstritten. Kurz zuvor hatte Julien Alatalo das Breakaway erzwungen, wurde von Reto Suri und Dominik Schlumpf eingekesselt, bis Mathias Seger vom Slot heranrutschte und Alatalo mit dem Schäkel hob. Strafstoß, klar. Aber war Fazzinis Versuch überhaupt legal? Er nahm 11,4 Sekunden für den Anlauf, so lang wie sonst kein National-League-Shooter in dieser Saison. In der Slow-Motion wirkt es, als schiefe der Puck kurz über seine Kelle – ein Minischip, der Hrubecs Timing zerstörte und die Latte traf.

Lugano verpasst die vorentscheidung

Lugano verpasst die vorentscheidung

Die Folge: Statt 2:1 stand es weiter 1:1, und die Luft ging heraus für Lugano. Die Lions kamen zurück, gewannen am Ende 3:2 und rücken auf Platz drei vor. Trainer Luca Cereda wollte sich nach dem Spiel nicht auf die Schiedsrichter einlassen: „Wir hatten 40 Minuten lang die Kontrolle, dann lassen wir uns auskontern. Der Penalty ist Nebensache.“ Doch seine Stimme zitterte, als er das sagte.

Für Fazzini war es die dritte Fehlschuss-Serie in Folge. In den Playoffs 2022 scheiterte er gegen Genf, 2023 gegen Bern – und nun dieser Millimeter. „Ich habe gespürt, wie er an der Stange entlangrollt“, sagte er. „Aber das Eis war abends langsamer, die Scheibe hat gebremst. Pech.“ Statistiker werten den Vorfall als 0,43 Expected Goals – ein Big-Chance, die einfach nicht ins Netz wollte.

Die Lions jubeln, Lugano muss am Freitag in die Valascia – und Fazzini? Der schraubt seine Schuhe aus, steigt in den Bus und schaut aus dem Fenster. Manchmal gewinnt man durch Kraft, manchmal durch Zentimeter. Und manchmal gewinnt einfach das Eis.