Zhegrova in der nationalelf nur zuschauer – juve-star kämpft gegen das eigene körper

90 Minuten lang saß Edon Zhegrova in Bratislava nur auf der Bank – und wurde trotzdem zur tragischen Hauptfigur. Während seine kosovarischen Teamkollegen das 4:3 gegen die Slowakei feierten, blieb der 24-Jährige in Winterjacke und Trainingshose. Der Mann, den Prishtina „Messi der Balkan“ nennt, durfte nicht mal ein paar Meter Sprint auf der Seitenlinie riskieren.

Die zahlen sprechen eine deutliche sprache

Seit Januar hat der Flügelstürmer gerade einmal 20 Minuten für Juventus Turin gespielt – 18 Minuten in Rom, zwei Minuten gegen Sassuolo. Kein Tor, keine Vorlage, kein Dribbling, das die Tifosi auf die Füße fallen lässt. Stattdessen: Leistungsdiagnostik, Reha-Läufe, Stabilisationsübungen. „Mister Zeppetta“, wie Trainer Spalletti ihn nennt, ist längst zum Patienten geworden.

Die Pubalgie, jene lästige Leisten-Adduktoren-Entzündung, die Profis wie ein langsames Feuer auffrisst, plagt ihn seit drei Jahren. Juve verpflichtete ihn trotzdem für 16 Millionen Euro – ein Pokergeschäft, das sich bislang nicht auszahlt. In Turin arbeitet ein Dreier-Team aus Athletikcoach, Physiotherapeut und Osteopath ausschließlich an seinem Körper. Die Trainingseinheiten sind auf 30 Minuten getaktet, Zwischentöne mit Eis und Kompression. Ein High-Performance-Programm für einen Spieler, der noch keine hohe Performance zeigen durfte.

Kosovos offensive funktioniert auch ohne ihren superstar

Kosovos offensive funktioniert auch ohne ihren superstar

Das 4:3 in Bratislava war ein Beweis dafür, dass die Nationalmannschaft mittlerweile auch ohne Zhegrova Tore schießt. Rashica, Rrahmani und Muriqi übernahmen die Führung, während der eigentliche Leitwolf mit der Kappe tief im Gesicht da saß. Die Qualifikation für die WM 2026 bleibt möglich – ein Trost, der für Juve aber nur bedingt zählt. Denn der italienische Rekordmeister kaufte sich nicht einen optionellen Edelreservisten, sondern einen Differenzmacher.

Der Kreis schließt sich: Je seltener Zhegrova spielt, desto größer wird der Druck auf Eberl und Giuntoli, im Sommer einen zusätzlichen Außenbahnspieler zu verpflichten. Lewandowski soll schon ein Thema sein, doch der Pole ist 35 und kein Flügel. Milik hält sich warm, doch der Kroate ist ein Neuner, kein Dribbler. Die Lösung könnte wieder einmal ein Neuzugang werden – und damit ein Eingeständnis, dass die Zhegrova-Wette bislang nicht aufging.

Für den Kosovaren selbst bleibt nur das tägliche Mini-Turnier gegen die Schmerzen. Die Uhr tickt, der Körper zählt die Minuten herunter. Wenn er nicht bald zurückkehrt, riskiert Juve, einen zweiten Pogba-Fall zu kaufen: viel Gehalt, wenig Spielzeit, maximal medizinische Absetztabellen. Die nächsten Woclen entscheiden, ob aus „Mister Zeppetta“ wieder „Edon der Dribbelkönig“ wird – oder nur ein teures Gesundheitsprojekt in Schwarz-Weiß.