Zenhäusern zündet europacup-kracher und macht dem weltcup den daumen
Ramon Zenhäusern lachte nach dem Zieleinlauf nur kurz, dann zog er die Maske wieder hoch. 0,48 Sekunden Vorsprung im Planai-Nachtslalom reichen, um sich die Langzeitfrage zu ersparen: Bin ich noch schnell genug? Die Antwort liegt in Schladming zwischen den Pfählen, wo der Slalom-As des Schweizer Teams dem Weltcup-Tross eine klare Ansage schickt: Ich bin noch da.
Der europacup als letzte rettung
Die Saison verlief holprig. Kein Podest, Rang 24 als bestes Weltcup-Resultat – das reicht nicht für jemanden, der 2019 noch Weltmeister im Team-Bewerb war. Zenhäusern flog aus dem Quali-Top-30, musste in die zweite Startgruppe, wo die Punkte hart erkämpft sind. Also ging er runter, fuhr Europacup, sammelte Starts, sammelte Selbstvertrauen. Der Sieg am Dienstagabend bringt 80 FIS-Punkte – und damit eine deutlich bessere Startposition für die kommenden Weltcup-Slaloms. Hugo Desgrippes (Frankreich) und Adrian Pertl (Österreich) kamen nicht heran, trotz perfekter Pistenbedingungen bei minus 6 Grad.
Die Rechnung ist simpel: Wer in Schladming gewinnt, darf im Weltcup wieder vorne losfahren. Und wer vorne losfährt, hat bessere Schneeverhältnisse, weniger Löcher, mehr Druck auf die Verfolger. Zenhäusern nutzte diesen Vorteil gnadenlos. Sein zweiter Lauf war technisch sauber, das Rhythmusgefühl zurück. «Ich habe endlich wieder gespürt, dass ich die Ski ziehen kann, statt nur zu reiten», sagte er nach dem Rennen. Der 31-Jährige spricht schnell, als wolle er die verlorenen Monate wettmachen.

Mächler sichert sich ticket für die elite
Bei den Frauen war die Schweiz nur auf den hinteren Plätzen vertreten. Janine Mächler rettete mit Rang fünf das nationale Gesicht – und sich selbst die Startberechtigung. Dank ihrer Platzierung in der Europacup-Gesamtwertung hat sie fixen Zugang zur nächsten Weltcup-Saison. Aline Höpli folgte auf Platz sechs, verpasste damit die nötlichen Punkte. Giulia Valleriani (Italien) siegte vor Natalie Falch und Leonie Raich (beide Österreich). Die 20-jährige Valleriani feierte ihren zweiten Europacup-Sieg innerhalb von zwei Wochen und kündigt sich früh als neue Herausfordererin im Weltcup an.
Für Zenhäusern geht es jetzt nach Kitzbühel, wo am Wochenende der nächste Slalom steht. Die Planai hat ihm gezeigt, dass die Technik noch funktioniert. Ob die Psyche mitspielt, wird sich am Hahnenkamm zeigen. Der Schweizer sagt: «Ich fahre nicht mehr mit der Angst, sondern mit der Lust.» 80 FIS-Punkte sind ein Anfang, keine Garantie. Doch wer in Schladming gewinnt, darf träumen – und vielleicht schon in Kitzbühel wieder an die Spitze fahren.
