Young boys reisen nach lausanne – revanche oder rückschlag?
Die Young Boys haben am Sonntag in Lausanne nur eine Wahl: Siegen oder die Saison endgültig zur Farce erklären. Nach dem 0:5-Dämpfer im Oktober droht erneut der Kollaps im Stade de la Tuilière.
Der october-blues sitzt tief
Die Bilder vom 1. Oktober halten sich hartnäckig im Kopf: YB stolpert, Lausanne jubelt, die Berner Abwehr wirkt wie auf Sparflamme. Fünf Gegentore, null Antwort – ein Resultat, das Trainer Giorgio Contini den Job kostete. Seitdem ist viel passiert, nur die Rangliste hat sich kaum gerächt. 42 Punkte aus 29 Spielen bedeuten Platz sechs, so etwas nannte man in Bern früher eine Katastrophe.
CEO Christoph Spycher spricht offen über „offene Wunden“. Er selbst zog als Spieler Energie aus Demütigungen. Ob die aktuelle Truppe dieselbe Fähigkeit besitzt, zeigt sich am Sonntag um 16:30 Uhr. Lausanne-Sport wartet mit 39 Zählern nur drei Punkte hinter YB und riesigen Selbstvertrauen nach fünf Unbesiegtheitsspielen.

Sanches steht zwischen liebe und befreiung
Alvyn Sanches wird in seinem ehemaligen Wohnzimmer auflaufen. Das 21-jährige Mittelfeldjuwel wechselte im Sommer vom Ufer des Genfer Sees an die Aare, schoss seitdem vier Tore, bereitete sieben vor und avancierte zum Hoffnungsträger. Für den Lausanner Stadtteil Charmilles dürfte es eine emotionale Rückkehr werden – möglicherweise die letzte im YB-Trikot, denn Premier-League-Scouts haben den Linksfuß längst auf dem Zettel.
Chefcoach Joël Magnin muss neben Sanches vor allem die Defensive stabilisieren. Die 34 Gegentore sind die zweitschlechteste Bilanz der Top-8-Vertreter. Ohne Abwehrchef Mohamed Ali Camara, der mit Gelbsperre zusieht, rückt Cedric Zesiger in die vorderste Linie. Seine letzte Lausanne-Partie war jener 0:5-Albtraum – ein Déjà-vu will niemand erleben.

Luzern lacht mit – oder mitsamt
Die Innerschweizer verfolgen das Duell mit besonderem Interesse. Liegt YB am Ende der Runde auf Rang sieben, rückt der FC Luzern auf Platz vier dank des besseren direkten Vergleichs vor. Kaum vorstellbar vor drei Jahren, als die Berner Meister wurden und die Europa-League-Gruppenphase rockten. Heute lautet die Devise: Europa vergessen, erst einmal die Top 6 sichern, um nicht in der Qualifikationsrunde noch tiefer zu stolpern.
Lausannes Trainer Peter Zeidler warnt seine Elf trotz Heimvorteil: „Young Boys sind gefährlich, wenn sie in die Ecke gedrängt werden.“ Für Zeidler geht es ebenfalls ums Geschäft: Ein Sieg würde Lausanne auf Playoff-Kurs bringen und die Budgetplanung für die nächste Saison erleichtern.
Kick-off am Sonntag, 16:30 Uhr, Stade de la Tuilière. Entweder kehrt YB als Rebell zurück – oder als reifende Sündenbock. Für die Berner Fans ist die Antwort auf die Frage, ob dieser Klub noch europäisch oder schon historisch ist, nur 90 Minuten entfernt.
