Uluc rast nach derby-debakel: „chancen wie gold weggeschmissen“

Die Luft im Abbe-Stadion war nach 90 Minuten so dünn, dass selbst die Bande zu atmen schien. Carl Zeiss Jena dominierte 45 Minuten lang wie ein Regionalliga-Überflieger, stand zur Pause aber nur mit leeren Händen da – und kassierte am Ende einen 1:2-K.o. gegen den ZFC Meuselwitz, der die Grätsche in den Aufstiegsrennen setzte.

„Wir hätten 4:0 führen müssen, standen aber mit 0:0 in der kabine“

Volkan Uluc schüttelte den Kopf, als hätte er einen Schluck zu heißen Kaffee genommen. „Von der Chancenverwertung her ein Alptraum“, sagte der Jena-Trainer und schob die Daumen in die Hosentasche, als wollte er die eigene Wut weg-stecken. Seine Mannschaft spielte in Hälfte eins ein Powerplay, das Meuselwitz-Coach Georg-Martin Leopold später als „0:4-Pause völlig verdient“ bezeichnete. Doch der Ball wollte rein, rein, rein – und kullerte stattdessen am Pfosten vorbei, flog an die Latte oder landete in den Armen von Keeper Lukas Will. Die Statistik: 14 Torschüsse, 3,1 xG, keine Granate drin.

Die Zahlen sind grausam für jeden Anhänger des FCC. Seit drei Heimspielen fällt kein Tor aus dem laufenden Spiel mehr. Das 1:0 gegen die VSG Altglienicke war ein Elfmeter, das 1:1 gegen Meuselwitz ein Kopfball nach Ecke. Dazwischen liegt eine Wüste aus vergebenen Großchancen, in der nur der Schiri pfeift.

„Wenn wir so weiterspielen, spielt der aufstieg keine rolle“

„Wenn wir so weiterspielen, spielt der aufstieg keine rolle“

Kurz hätte Uluc das Wort „Abstieg“ bemüht, hielt sich aber zurück. Der Coach weiß, dass die Liga keine Träume verschenkt. „Wir können noch so viel Ballbesitz haben, wenn wir die Maschen nicht zum Beben bringen, nützt das gar nichts.“ Der Verdacht liegt nahe, dass Jena an der glehen Schwäche leidet wie in der vergangenen Saison: zu viel Spielkultur, zu wenig Killerinstinkt. Die Gegner wissen es. Meuselwitz zog sich nach der Pause kompakt zurück, wartete auf Konter und schlug in der 90. Minute zu – Luis Fischer traf mit dem Lucky Punch.

Die Tabelle lügt nicht. Jena verpasst die Chance, Lok Leipzig unter Druck zu setzen, bleibt bei fünf Punkten Rückstand. Und die Fans? Sie pfiffen nicht, sie schwiegen. Die Stille nach dem Abpfiff war lauter als jede Böller-Kritik. Es ist das Gefühl, eine halbe Meisterschaft in 45 Minuten verspielt zu haben.

Uluc klang am Ende wie ein Mann, der die Rechnung ohne die Torlinie gemacht hat. „Wir haben noch nie so eine gute Halbzeit gespielt – und am Ende trotzdem verloren.“ Die Saison ist noch lang, aber die Uhr tickt. Wer so trifft wie Jena, muss nicht über den Aufstieg reden, sondern darüber, wie man eine Krise verhindert. Die nächste Chance kommt am Sonntag in Babelsberg. Keine Tore, keine Träume.