Norwegen fegt oslo-loipe leer: acht heimkinder auf rang eins bis acht
Der Holmenkollen war am Samstag ein einziges rotes Meer: 50 km, Nebel, Pulverschnee – und acht Norweger, die den Rest des Starterfeldes einfach versenkten. Einar Hedegart sprintete sich in 2:07:31 Stunden zum ersten Saisonsieg, doch die eigentliche Geschichte steht in der Ergebnisliste: Platz eins bis acht, alles Heimkinder. Der 24-jährige Biathlet, eigentlich nur kurz auf Verdacht im Langlauf-Kader gelandet, lachte nach dem Zieleinlauf nur noch verschmitzt: „Ich bin hier aufgewachsen, diese Loipe ist mein Garten.“
Ein rennen, das schon nach zehn kilometer entschieden war
Bei Kilometer 12 stachen Hedegart, Harald Östberg Amundsen und Martin Löwström Nyenget das Tempo an. Der Rest des Feldes schaute nur noch zu. Der Nebel schluckte die Verfolger, das Publikum sah nur noch die roten Bändchen der Norwegian Elite Group. Zwischenzeitlich betrug der Vorsprung über vier Minuten – ein Vabanque-Spiel, das auf norwegische Weise perfekt inszeniert wurde. Der Deutsche Friedrich Moch landete auf Rang 20, mehr als fünf Minuten zurück. Die Zahlen sprechen für sich: Norwegen stellte 60 % des Top-15, das restliche Europa schaute in die Röhre.
Die Frage nach Johannes Høsflot Klæbo war nur noch ein Flüstern. Der Superstar hatte sich am Donnerstag in Drammen eine Gehirnerschütterung zugezogen – und sein Sturz wurde zur Nebensache. Ohne ihn entfaltet sich ein anderes Norwegen: weniger Show, dafür kollektive Wut. Hedegart profitierte direkt vom Ausfall: „Johannes fehlt, klar. Aber wir sind keine One-Man-Show, wir sind ein Rudel.“

Der holmenkollen-fünfziger wird 138 jahre alt und bleibt skurril
Seit 1888 zieht sich die 50-km-Peitsche über die Hügel Oslos, 2025 fiel das Rennen flach, weil die WM in Trondheim terminierte. Nun also die Rückkehr – und mit ihr die Rückkehr zur Normalität: Norwegen gewinnt, der Rest gratuliert. Die Organisatoren hatten extra eine Schneekanone aufgestellt, um die Strecke weiß zu bekommen. Am Ende war alles weiß, nur die Ergebnisliste leuchtete rot.
Für Hedegart war es der dritte Einzelsieg im sechsten Weltcup-Rennen. Ein Quotenwunder, das sich niemand ausrechnet. Der Biathlet mit dem Langlauf-Herz schob nach dem Ziel die Ski auseinander, als wolle er sagen: So einfach ist das, wenn man die Loipe im Blut hat. Die Uhr stoppte bei 2:07:31 – und die Konkurrenz stoppte erst einmal die Hoffnung.
