Wück lässt maske fallen – 36 mädchen erleben den bundestrainer ganz privat

Frankfurt, 18.30 Uhr. Die Großfeld-Halle am DFB-Campus klingt wie ein Bienenkorb. 36 Stimmen kreischen, lachen, grölen. In der Mitte steht Christian Wück, 51, eigentlich Stahlherr der Frauen-Nationalmannschaft, heute Coach wider Willen. „Hey, wir sind hier nicht in der Schule“, ruft er – und wirft damit sein eigenes Image über den Haufen.

Der tag, an dem der bundestrainer kein bundestrainer war

Die Aktion „Mein bester Tag“ läuft seit Jahren, aber diese Ausgabe hat einen Clou: Zum ersten Mal sitzt der Chef der A-Nationalmannschaft selbst auf der Bank – allerdings für U-17-Mädchen aus Köln und Nürnberg. Keine Taktik für WM-Quali gegen Österreich, keine Pressekonferenz mit Kampfansage. Stattdessen: Hütchen-Dreieck, Minikicker, Selfie-Wahnsinn.

Wück gibt das Passspiel persönlich vor, trifft jeden Ball sauber, sagt aber nichts vom „richtigen“ ersten Kontakt. Er wartet. Erst als eine 13-Jährige den Ball mit der Sohle annimmt, bricht er in ein breites Grinsen aus: „So war’s gedacht, einfach machen.“ Die Mädchen entspannen sich. Der Bundestrainer wird zum Kumpel.

Zwischen tech-lab und tiktok-chaos

Zwischen tech-lab und tiktok-chaos

Vorher ging’s durchs Tech-Lab, dort messen Computer Sprintwerte von Juniorennationalspielerinnen. Eine der Gäste flüstert: „Ich dachte, der ist total gruselig.“ Gemeint ist Wück. Dann kommt die Pressekonferenz der Kids. „Herr Wück, würden Sie die Männer-Elf übernehmen?“ – „Nein“, sagt er so schnell, dass das Mikro wackelt. Julian Nagelsmann kann aufatmen.

Die TikTok-Challenge? Er lehnt mit gespieltem Schauder ab. „Ich bin 51, nicht 15.“ Die Mädchen kichern, aber sie wissen: Er bleibt drin. Emelie, 17, aus Katzwang, fasst es zusammen: „Ernst, aber trotzdem locker. Genau richtig.“

Warum dieser tag der frauen-nationalmannschaft nutzt

Warum dieser tag der frauen-nationalmannschaft nutzt

Wück sagt es laut, was er sonst nur intern predigt: „Wenn man die Mädels lachen sieht, weiß man, warum man das macht.“ Er meint: Fußball ist mehr als 4-4-2, mehr als Laufwerte und Videoanalyse. Es ist Beziehung. Und Beziehung funktioniert nur, wenn man sich zeigt.

Die 36 Gewinnerinnen fahren mit Selfies, Autogrammen und einem Satz Heim, der sich rumsprechen wird: „Der Bundestrainer ist gar nicht so gruselig.“ Das klingt nach Klatsch, ist aber ein PR-Coup. Denn diese Mädchen spielen in ihren Vereinen weiter, erzählen weiter, begeistern weitere. Wück hat 36 Multiplikatorinnen gewonnen – ohne eine Pressekonferenz einberufen zu müssen.

Am 14. April trifft die Frauen-Nationalmannschaft in Nürnberg auf Österreich. Die Tickets laufen schon jetzt besser. Zufall? Wück schmunzelt nur. Er weiß: Image ist, was hinten rauskommt. Und manchmal hilft ein Nachmittag voller Kreischalarm, um harte Zahlen zu verändern.