Wollitz lädt rostock zum derby-spaß – und gibt krauß die nächste lektion
Claus-Dieter Wollitz hat keine Lust auf Druck. „Mehr Druck als gegen Hoffenheim kannst du nicht haben. Da ist das am Samstag eine Spaßveranstaltung“, sagt er, zieht die Brauen hoch und lächelt schief. 52 Punkte aus 27 Spielen. Platz zwei. Tabellenführer Dynamo Dresden in Reichweite. Und der Trainer des FC Energie Cottbus redet trotzdem wie ein Mann, der zum Karneval fährt statt ins Ost-Derby.
Der Club feiert 60 Jahre, das Stadion ist restlos verramscht – 19.000 werden erwartet, weil die Ordner ein paar Reihen frei halten müssen für die Sicherheit. Die Fans rufen nach Hansa Rostock, nach dem alten Gegner, nach dem Bruderzwist der Ostsee. Wollitz aber erzählt von der „Außenseiterrolle“, die seine Mannschaft eh innehabe. Von „freiem Spiel“, von „außergewöhnlich“, was da schon wieder erreicht sei.

Die lange nase kommt – und sie hat einen namen
Dann der Satz, der die Pressekonferenz beendet: „Wir wollen jedem eine lange Nase zeigen – zumindest denen, die es verdient haben.“ Die Kameras klicken. Die Reporter schreiben. Maximilian Krauß sitzt 180 Kilometer weiter in Rostock und weiß: Er ist gemeint. Der Stürmer, der vor einem Jahr fünf Tage vor dem Aufstiegs-Endspurt beim Konkurrenten unterschrieb, kehrt zurück in die Lausitz. Wollitz hatte ihn damals bis Saisonende aussperrt. Beim 3:1 in Rostock weigerte er sich, ihm die Hand zu geben. „Das Karma hat zugeschlagen“, sagte er danach. Jetzt ist Karma wieder da.
Die Zahlen sprechen für sich: Energie hat seit November nicht verloren. Stuttgart II wurde mit 2:1 weggeschossen, Verl mit 0:0 weggebremst. Die Mannschaft ist frisch, mutig, selbstbewusst – Wollitz’ Worte. Aber er warnt: „Wenn wir jetzt denken, der Spaß mache sich von selbst, wären wir selten dämlich.“ Die englische Woche endet mit dem Krach, den sich ganz Ostdeutschland wünscht. Und mit einem Mann, der seine eigene Geschichte umschreibt.
Am Samstag um 14 Uhr pfeift der Schiedsrichter an. Dann steht Krauß im Strafraum, Wollitz an der Linie. Die lange Nase ist bereits geplant. Die 19.000 werden sie sehen – und wissen, warum sie gekommen sind. Weil Fußball manchmal Rache ist. Und manchmal nur ein Spiel. Aber nie beides gleichzeitig.
