Wm 2026: 100 tage bis kick-off – tickets, albtraum-zeiten und die berliner, die jetzt zittern

In 100 Tagen klingelt der erste Schlagabtausch in Mexiko-Stadion – und schon jetzt klafft zwischen Traum und Realität eine Schlucht so tief wie der Copper Canyon. Die Tickets? Weg. Die Anstoßzeiten? Teilweise mitten in der Nacht. Die deutschen Hoffnungsträger? Längst nicht so berlinlastig wie noch vor drei Jahren.

Tickets sind ein poker, nicht ein kauf

Die vierte Verkaufswelle rollt Ende April. Wer dann zögert, zahlt. Die Fifa nennt das „Last-Minute-Verkauf“, gemeint ist: wer zuerst klickt, gewinnt. Die Rechnung: 155 Euro für Deutschland gegen Curaçao war das günstigste DFB-Spiel, aber nur, wer im Januar schon im Lostopf saß. Alle anderen dürfen jetzt auf dem offiziellen Weiterverkaufsmarktplatz 15 Prozent drauflegen – an Käufer und Verkäufer. Die Gewissheit: Selbst das 60-Dollar-Ticket über einen Nationalverband ist nur Fassade, wenn man nicht Mitglied im Fanklub Nationalmannschaft ist. 70 Prozent der DFB-Kontingente sind dort schon reserviert.

Vier zeitzonen, ein albtraum für wecker

Vier zeitzonen, ein albtraum für wecker

Mexiko, Kanada, USA – das Trio teilt sich nicht nur die Ehre, sondern auch die Zeitspanne von neun Stunden nach Mitteleuropa. Die Fifa verspricht „europafreundliche“ Slots, doch Iran gegen Neuseeland startet um 3 Uhr, Usbekistan gegen Kolumbien um 4 Uhr. Für Österreich gegen Jordanien gar um 6 Uhr morgens – in Berlin ist dann noch Dunkelheit, in Edmonton schon Rush-Hour. Die deutschen Gruppenspiele sind halbwegs human: 19 Uhr und zweimal 22 Uhr. Doch wer bis ins Halbfinale oder Finale will, muss Kindern und Chef erklären, warum plötzlich 21 Uhr deutscher Zeit der neue Primetime ist.

Public viewing wird zur flächenbrand-frage

Public viewing wird zur flächenbrand-frage

Die Lärmschutz-Verordnung für Fanmeilen liegt seit 2006 bereit, wird aber erst im Mai beschlossen. Trotzdem plant das Berliner Hauptstadtportal schon jetzt: Brandenburger Tor, Brlo Brwhouse, Beach Neukölln, Naumanns Biergarten. Die Devise: Wo kein Sandstrand ist, wird einer gemacht. Die Stadt wird zur Großküche, der Sommer zur Dauerparty. Frage ist nicht, ob, sondern wie viele Anrainer vor Gericht ziehen.

Berlin und brandenburg liefern keine helden, nur hoffnung

Berlin und brandenburg liefern keine helden, nur hoffnung

Hertha BSC wird leer ausgehen, Union liefert vier Kandidaten: Jeong Woo-yeong, Derrick Köhn, Josip Juranović, Leopold Querfeld. Dazu Rani Khedira, der für Tunesien wechseln könnte. Die deutsche Nationalmannschaft? Antonio Rüdiger und Maximilian Mittelstädt sind Pflicht, Maximilian Beier der Potsdam-Sprinter mit Turbo. Robert Andrich, Kevin Schade und der lange verletzte Tim Kleindienst müssen bangen. Die Bilanz: Berlin liefert Stars, Brandenburg liefert Fragezeichen. Und das in einem Turnier, das größer wird als jede zuvor – aber nicht unbedingt deutscher.