Wirtz zieht allein auf, wartet auf seinen zauberpartner

Basel – Florian Wirtz lieferte am Samstagabend eine One-Man-Show, die selbst die verregneten Schweizer zum Klatschen brachte: zwei Tore, zwei Vorlagen, 4:3 gegen die Nati. Doch als der 22-Jährige ans Mikro trat, ging es nicht um die eigene Glanznummer, sondern um den Mann, der fehlte. „Natürlich hoffe ich, dass Jamal bald wieder bei 100 Prozent ist“, sagte Wirtz. Der Satz klang wie ein Seufzer, der durchs ganze WM-Jahr trägt.

Die sehnsucht nach dem verletzten musiala

Jamal Musiala sitzt in München, stemmt Rehabilitationsgewichte und kämpft gegen eine Schmerzreaktion im rechten Bein, das er sich im Sommer zerschmettert hatte. Seit Wochen fällt er aus, seit Monaten fehlt dem deutschen Spiel die verspielte Unberechenbarkeit, die nur er erzeugt. Wirtz kennt das Gefühl: „Man will einfach wieder auf dem Platz ohne Probleme spielen.“ Deshalb schreibt er ihm ab und zu, fragt, wie der Stand ist, wünscht Glück. Es ist keine PR-Geste, sondern ein Blick in den Spiegel der eigenen Verletzungs-Hölle von 2022.

Das Duo „Wusiala“, das bei der Heim-EM ganze Abwehrketten hypnotisierte, ist auf Abruf für die WM in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) eingeplant. Bundestrainer Julian Nagelsmann baut seine Titelstrategie darauf, dass beide zusammen zaubern – nicht nur einzeln glänzen. „Er kann uns sehr gut helfen“, bestätigt Wirtz. Die Zahlen sprechen für sich: In 23 gemeinsamen Länderspielen erzielten die beiden acht Tore und bereiten zwölf weitere vor. Deutschland gewann 18 davon.

Am montag muss wirtz wieder allein liefern

Am montag muss wirtz wieder allein liefern

Gegen Ghana in Stuttgart (Montag, 20.45 Uhr/ARD) wird Wirtz erneut ohne seinen besten Mitspieler auskommen müssen. Die Aufgabe ist klar: Die Show muss weitergehen, egal ob Musiala auf der Bank oder auf der Laufband sitzt. In Basel bewies er, dass er auch solo ein Orchester dirigiert. Doch die Musik klingt nur halb so berauschend, wenn der andere First-Geiger fehlt.

Die WM rückt näher, die Uhr tickt. Musialas Bein entscheidet, ob Deutschlands größte Offensivwaffe zur rechten Zeit scharf ist. Wirtz hat seinen Part bereits erfüllt – jetzt ist der Ball wieder im Feld der Physiotherapeuten. Sollte das Duo Ende Juni zusammen auflaufen, könnte der Gegner nur noch zuschauen. Bis dahin heißt es für Wirtz: Tore erzwingen, Punkte sammeln, Sehnsucht stillen.