Kharchenkov rastet aus: deutscher rookie schmettert purdue und träumt vom titel
Ivan Kharchenkov spielt sich in einen Rausch. Der 19-jährige Münchener versenkte die Purdue Boilermakers mit 18 Punkten und acht Rebounds, schrie sich beim 79:64 in San José die Lunge aus der Brust und katapultierte die Arizona Wildcats ins Final Four. Indianapolis wartet vom 4. bis 6. April – und mit ihm die Chance, erstmals seit zwölf Jahren wieder einen deutschen Champion zu krönen.
Deutschland gegen deutschland im halbfinale?
Das Schicksal spielt verrückt. Am Sonntag um 20.15 Uhr entscheidet sich, ob Malick Kordel mit den Michigan Wolverines nachzieht. Dann stünden sich im Halbfinale zwei deutsche Shooting-Stars gegenüber – ein Szenario, das selbst Fans in Berlin und München vor den Fernsehern kreischen lässt. Kordel und Kharchenkov kennen sich aus der Jugend-Nationalmannschaft, trainierten zusammen in der Halle, tauschten WhatsApp-Stimmen, jetzt könnten sie sich auf dem größten College-Stage duellieren.
Die Zahl nagt an ihm: Seit Niels Giffey 2014 mit UConn jubelte, hat kein Deutscher den NCAA-Titel geholt. Kharchenkov kennt die Clips von Giffey und Leon Tolksdorf, hat sie im Winter zwischen den Study-Sessions laufen lassen, sich selbst in die Parade gestellt. „Ich will nicht nur der Nächste sein“, sagte er nach der Sirene in San José, „ich will der Beste.“

Frauen-trio folgt dem spürhund
Während die Männer schwadronieren, schlägt ein anderes deutsches Trio Wellen. Clara Bielefeld schaffte mit den TCU Horned Frogs den Sprung ins Viertelfinale, auch wenn sie gegen Virginia 79:69 nur von der Bank jubelte. Die 18-jährige Point Guard war Teil der EM-Mannschaft 2025, besitzt Berliner Wurzeln und wird heiß gehandelt für die Heim-WM im September. Trainer Mark Campbell ließ durchsickern: „Clara ist unser Geheimdossier für die Finalwochen.“
Die March Madness ist längst mehr als ein Turnier – sie ist ein Milliardenbusiness, das die NBA vor Neid erblassen lässt. 64 Teams starteten, 14 Millionen Zuschauer verfolgten allein das Viertelfinale live, die Werbefreigaben klettern auf 900 Millionen Dollar. Kharchenkov spürt den Druck, liebt ihn. „Wenn du den Ball nicht triffst, trifft dich die Halle“, sagt er. „Aber wenn du triffst, bist du für immer ein Held.“
Die Uhr tickt. Noch drei Siege trennen den jungen Mann vom Traum, der mit Henrik Rödl 1993, mit Christian Ast 1991/92 und mit Magnus Pelkowski 1987 begann. Kharchenkov will die Reihe nicht nur fortsetzen – er will sie ausradieren und neu aufschreiben. Indianapolis, bereite dich vor.
