Ole book zieht in kehls büro: der bvb-manager, der schon vor 6 uhr schuftet
Er schmeißt nicht mit Millionen um sich, sondern um 150-Euro-Prämien. Er trägt weiße Sneaker zum Maßanzug. Und er kennt jeden Spieler bis zur fünften Liga. Ole Book ist der Mann, den der BVB aus dem 13.000-Seelen-Dorf Spiesen-Elversberg holt, um den Nachfolger von Sebastian Kehl zu geben.
Die Verkündung kam ohne Tamtam. Kein Livestream, keine Show. Nur ein Foto auf Twitter: Book in Schwarz-Gelb, lächelnd, die Hand in der Hosentasche. Doch hinter dem Foto steckt ein Karrierespiel, das wie ein Drehbuch wirkt. Kindheit in Beckum, 45 Minuten von Dortmund. BVB-Fan. Profi in Ahlen, zusammen mit Marco Reus und Kevin Großkreutz. Später mit Robert Andrich in Wiesbaden. Dann Scout, Co-Trainer, Sportvorstand – alles in einem Nebenstraßen-Büro im fünften Stock, zwischen Zahnarztpraxis und Asia-Imbiss.
Warum der bvb auf einen frühaufsteher setzt
Book steht um 5.30 Uhr auf. Joggen, Krafttraining, WhatsApp-Blockaden für Spieler, die sich verspäten. Er sagt: „Wer Profi sein darf, hat gewonnen. Jetzt muss er nur noch laufen lernen.“ Das klingt nach Lehrer, nicht nach Manager. Genau das wollten die Bosse hören. Nach Jahren von Kehls Sonderermittlungen und Haaland-Poker brauchte der Klub jemanden, der wieder den Durchblick behält – und der nicht auf Instagram live geht, wenn ein Transfer platzt.
Seine Verhandlungen laufen über Handzettel. Kein Excel, keine App. Book schreibt Gehalt, Prämie, Laufzeit auf ein Blatt, legt es hin, schiebt es zwei Zentimeter zurück, wenn der Berater lacht. Ein Berater erzählt: „Er hat mir mal 50.000 Euro für einen Zweitliga-Stürmer ausgehandelt, weil ich ihm ein Video vom Spieler-Kater nach der Hochzeit geschickt habe.“ So funktioniert sein Netzwerk: persönlich, klein, dafür komplett.

David blacha und das geheimnis der sieben scoutingfahrten
Mit David Blacha fuhr Book sieben Mal nach Gießen, um Younes Ebnoutalib zu begutachten. Sieben Mal. Für einen Spieler, der damals in der Regionalliga traf. „Wir wollten sicher sein, dass er auch zurücksteckt, wenn der Platz mal rau ist“, sagt Blacha, der nun als Co-Sportdirektor gehandelt wird. Die Fahrten endeten mit einem Daumen-Hoch-Emoji auf Blachas Handy. Ebnoutalib wechselte für 300.000 Euro, wurde Topstürmer, ging für fünf Millionen nach Frankfurt. Das ist Books Bilanz: kauft günstig, verkauft teurer, behält die Moral.
Bei Schalke und Gladbach klopfte er vorher an. Beide sagten: „Zu lautlos.“ Der BVB sagte: „Genau deswegen.“ Jetzt sitzt Book in Kehls Altbüro, dritter Stock, Blick aufs Trainingsgelände. Die weißen Sneaker stehen schon bereit. Die ersten Anrufe gehen um 5.47 Uhr raus. Dann schaltet er auf Lautlos. Weil er weiß: In Dortmund reicht ein einziger Fehltransfer, um vom Held zum Hansel zu werden. Book will kein Hansel werden. Er will nur Ole bleiben – ohne Nils.
