Wirtz trifft nach 7,92 sekunden: frankreich blinzlt noch, deutschland jubelt schon
Florian Wirtz brauchte weniger Zeit, als ein Geduldsspieler braucht, um die Karten zu mischen – 7,92 Sekunden, und Frankreich lag schon am Boden. Sein Schlenzer aus 22 Metern war kein Tor, es war ein offizieller Befehl: Rekordbuch auf, Eintrag „schnellstes Länderspieltor der DFB-Geschichte“ streichen, neu einfügen.
Der plan war klar, aber nicht so schnell
Hansi Flick hatte vor dem Spiel von einem „aggressiven Starts“ gesprochen. Was folgte, war keine Aggression, sondern pure Rasur. Kroos spielt den Ball nach vorn, Wirtz nimmt ihn mit der Brust mit, dreht sich um Upamecano herum wie ein Hula-Hoop und donnert ins linke Eck. Über 70 000 im Münchner Stadion rissen die Kiefer runter. In der ARD meldete Moderator Alexander Bommes nur: „Das ist jetzt schon jetzt.“
Die Franzosen? Noch in der Struktur, aber ohne Struktur. Keeper Maignan berührte die Kugel, mehr nicht. Die Uhr stoppte bei 7,92 Sekunden – 1,08 Sekunden schneller als Podolskis Treffer gegen Ecuador 2013. Der alte Rekord war ohne Drama gestorben, einfach weil niemand mehr dran glaubte, dass ihn jemand brechen würde.

Kroos liefert die vorlage, wirtz liefert die botschaft
„Wir haben es einmal in der Woche trainiert“, sagte Wirtz später, „aber dass es sofort klappt, war trotzdem ein Schock für uns alle.“ Kroos grinste nur: „Ich hab’s gespielt, er hat’s veredelt – mehr gibt’s nicht zu erklären.“ Die Statistik dagegen liefert jede Menge: Noch nie zuvor lag Frankreich so früh hinten, noch nie zuvor gelang einem Deutschen so früh das Führungstor gegen den Weltmeister von 2018.
Die Partie endete 2:0, Havertz machte den Deckel drauf, doch die Debatte dreht sich nur um diese eine Acht-Sekunden-Sequenz. Denn sie liefert das Signal: Diese deutsche Mannschaft will nicht mehr warten. Sie will nicht mehr „dabei sein“, sie will „weiter sein“ – Viertelstunde früher als alle anderen.
Am Ende blieb Wirtz auf dem Rasen stehen, schaute auf die Anzeigetafel, als wollte er prüfen, ob die Zeit wirklich richtig stand. Sie stand. Und sie wird so schnell keiner mehr korrigieren.
