Wolfsburg zittert, doch bauer bleibt: rudolphs letzter bluff

Der VfL Wolfsburg brennt, aber niemand löscht. Nach dem 0:4 in Stuttgart und sieben sieglosen Spielen in Folge hätte gestern Nacht jede Stunde für Trainer Daniel Bauer die letzte sein können. Stattdessen schob Sebastian Rudolph die Hand in die Tasche, zog eine Null und sagte: „Weiter so.“

Der Aufsichtsratschef marschierte beim verschlossenen Training auf, lauschte, diskutierte, schwieg – und ließ den Mann auf der Bank, der den Verein in der Tabelle auf Platz 17 geparkt hat. Peter Christiansen, der dänische Geschäftsführer, der fast zwei Jahre lang jeden Plan zersägte, darf ebenfalls weitermachen. Eine Entlassung wäre die dritte Führungsriege innerhalb weniger Monate gewesen; das hätte Rudolph selbst erklären müssen. Also wurde nichts erklärt.

Die logik des stillhalts

Intern kursiert das Wort Stabilisierung. Extern klingt das wie blanker Hohn, wenn man sich die Zahlen ansieht: vier Punkte aus den letzten sieben Spielen, zwölf Gegentore in den letzten drei Partien, nur ein Sieg seit Mitte Februar. Dennoch glauben Rudolph und Christiansen offenbar an den Heilungszauber des Samstags. Gegen den Hamburger SV soll Bauer seine letzte Patrone verschießen – oder die letzte sich selbst.

Parallel laufen heimliche Telefonate. Dieter Hecking ist kein Geheimnis mehr, er ist die Option für den Fall, dass die Patrone doch nicht zündet. Die Frage ist nur: Wer übernimmt die Kasse, wenn Hecking kommt und Christiansen bleibt? Rudolph würfelt mit zwei Würfeln: einen für den Klassenerhalt, einen für den eigenen Ruf.

Die Spieler standen gestern Mittag auf dem Rasen, blickten zu den Bosse, die am Spielfeldrand leise redeten. Bauer brüllte seine Befehle, als wäre nichts gewesen. Aber jedes Mal, wenn der Ball rollte, zitterte mit ihm die ganze Infrastruktur. Die Mannschaft ist nicht mehr das Problem – sie ist das Spiegelbild einer Führung, die sich selbst als Retter inszeniert, obwohl sie die Krise mitproduziert hat.

Die rechnung ohne abstieg

Die rechnung ohne abstieg

Wolfsburg spielt nicht nur gegen den HSV, sondern gegen die Zeit. Bei einer Niederlage wäre der Vorsprung auf Platz 16 auf einen Punkt geschrumpft, die Relegation winkt. Dann wäre sogar Rudolphs Politik der ruhigen Hand nur noch ein einziger zitternder Daumen, mit dem man ein Dammloch stopfen will.

Daniel Bauer hat sich in der Kabine offen beschwert, das sei Teil des Pakets gewesen, das ihn retten sollte: Kritik als Druckventil. Jetzt darf er gegen Hamburg liefern – oder die Schleuse bricht. Die Fans jedenfalls haben die Rechnung schon durchgerechnet: Ein Punkt alle zwei Spiele rettet nichts, ein Trainerwechsel nach 28 Spieltagen auch nicht. Aber vielleicht reicht ja der pure Reflex der Selbsterhaltung.

Am Samstag um 15.30 Uhr steht der Verein ein letztes Mal vor dem Spiegel. Entweder sieht er dann den Retter – oder die Leiche der eigenen Planlosigkeit. Rudolph hat gewettet, dass beides dasselbe ist. Die Wette läuft in 90 Minuten aus.