Schalke-aufstieg: mehr als nur bier und bratwurst?

Gelsenkirchen bebt – und das nicht nur vor Emotionen. Der Aufstieg von Schalke 04 in die Bundesliga verspricht mehr als nur Fußball-Euphorie. Doch während die Knappen-Fans feiern, stellt sich die Frage: Wie viel Geld sprudelt der Aufstieg wirklich in die Stadt und Region Emscher-Lippe?

Die rosarote brille der fans und die nüchterne bilanz der wirtschaft

Die Freude ist ungetrübt, das ist klar. Nach Jahren der Zweitklassigkeit kehrt Schalke zurück in die erste Liga. Für die Fans ist das vor allem ein emotionales Comeback. Doch die Wirtschaft blickt realistischer auf die Sache. Sven Wolf, Leiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Emscher-Lippe, sieht im Aufstieg zwar eine Chance, die “Strahlkraft der Region zu erhöhen”, warnt aber vor überzogenen Erwartungen. “Es ist ein Erfolg für den Verein, die Stadt und unsere Unternehmen”, so Wolf, “aber die wirtschaftlichen Effekte sind komplexer als volle Kneipen und ein volles Stadion vermuten lassen.”

Mehr fans, mehr konsum – aber wo bleibt das geld in der stadtkasse?

Mehr fans, mehr konsum – aber wo bleibt das geld in der stadtkasse?

Der direkteste Effekt ist zweifellos der Aufschwung rund um die Spieltage. Bundesliga bedeutet mehr Aufmerksamkeit, mehr Auswärtsfans und damit mehr Konsum in Gastronomie, Einzelhandel, Hotellerie und Dienstleistungen. Vor allem der Gästeblock, der Platz für rund 6.200 Fans bietet, wird nun regelmäßig gefüllt sein. Und durch die veränderten Anstoßzeiten, die in der Bundesliga häufiger am Abend stattfinden, werden Besucher vermutlich länger in der Stadt bleiben und mehr Geld ausgeben. Doch Martin Schulmann, Pressesprecher der Stadt Gelsenkirchen, mahnt zur Vorsicht: “Bei besonderen Ereignissen geben die Menschen zwar mehr Geld aus, aber das landet selten spürbar in der Stadtkasse.”

Der imagegewinn als unsichtbarer motor

Der imagegewinn als unsichtbarer motor

Die IHK verweist auf eine McKinsey-Studie, die zeigt, dass der deutsche Profifußball in der Saison 2023/24 eine Wertschöpfung von 14,2 Milliarden Euro ausgelöst hat. Wertschöpfung bedeutet dabei nicht nur Umsatz, sondern den zusätzlichen wirtschaftlichen Wert, der nach Abzug der Vorleistungen tatsächlich entsteht. Das Besondere: Für jeden Euro, den die Clubs und die Liga erwirtschaften, entstehen laut McKinsey mehr als zwei Euro zusätzliche Wertschöpfung in angrenzenden Branchen. Die Beumer Group aus Beckum, neuer Haupt- und Trikotpartner von Schalke, ist ein Beispiel dafür, wie regionale Unternehmen von dieser Strahlkraft profitieren können. Die Partnerschaft ist auf Trikots, Banden und digitalen Kanälen sichtbar.

Klassenerhalt als schlüssel zum langfristigen erfolg

Klassenerhalt als schlüssel zum langfristigen erfolg

Der Aufstieg allein ist nicht genug. Schalke muss sich in der Bundesliga etablieren, um langfristig von den positiven wirtschaftlichen Effekten zu profitieren. Die Konsolidierung der Finanzen, der Anstieg der Mitgliederzahl und die langfristigen Verträge mit wichtigen Sponsoren sind vielversprechende Zeichen. Doch die eigentliche Bewährungsprobe beginnt erst jetzt. Wenn Schalke in der kommenden Saison den Klassenerhalt erreicht, könnten sich Sponsoring, Investitionen und zusätzliche Umsätze nachhaltig stabilisieren. Die Hoffnung ruht auf einem langfristigen Aufschwung – der weit über die reine Fußballleidenschaft hinausgeht.