Vfl wolfsburg stürzt auf platz 17 – bauer und christiansen bleiben trotzdem

0:4 in Stuttgart, Tabellenplatz 17, erstmals seit 1997 droht der Bundesliga-Abstieg – und der VfL Wolfsburg schickt ein Signal der Unverzagtheit: Trainer Daniel Bauer und Geschäftsführer Peter Christiansen behalten ihre Posten.

Warum der aufsichtsrat still hält, während der klub zittert

Warum der aufsichtsrat still hält, während der klub zittert

Die Entscheidung fiel am Montagnachmittag, hinter verschlossenen Türen, nach zwei Stunden Krisensitzung. Kein Rauswurf, kein Ultimatum – stattdessen das Versprechen „runderneuerten Herbst-Wahns“, wie es intern heißt. Die Logik: Wer mitten im Sturm die Richtung wechselt, riskiert Kursverlust. Die Realität: Mit nur einem Sieg aus den letzten neun Partien schlittern die Wölfe auf Relegationskurs.

Die Fans tobten nach dem Stuttgart-Debakel, auf sozialen Kanälen kursierte das Hashtag #HeckingBack. Ex-Coach Dieter Hecking hatte die Mannschaft 2015 zur Vizemeisterschaft geführt, sein Name wirkt bis heute wie ein Schutzheiligen-Signal. Doch der Aufsichtsrat um Präsidentin Marita Müller-Thorne verzichtet auf eine weitere Personalrochade. Begründung: „Stabilität vor Panik.“

Die Statistik spricht eine andere Sprache: 17 Gegentore in fünf Spielen, die zweitschwächste Offensive der Liga, nur 0,8 Tore pro Partie – Zahlen, die selbst Tabellenletzten zum Aufstieg verhelfen würden, wenn sie auf der Gegenseite stünden. Die defensive Leere ist kein Bauernopfer, sondern strukturell. Bauer versuchte bislang fünf verschiedene Abwehrreihen, ohne ein einziges Mal die Null zu halten.

Intern kursiert ein Plan: vier Neue im Winter, ein defensiver Sechser, ein Rechtsverteidiger mit Vorwärtsgang, ein zentraler Mittelstürmer und – ganz wichtig – ein mentaler Berater. Die Kasse ist nicht leer, doch die Transferstrategie der vergangenen Jahre wirkt wie ein Puzzle, bei dem die Hälfte der Teile aus dem falschen Karton stammt.

Christiansen sitzt seit 2021 im Amt, baute das Scouting um, setzte auf Daten statt auf Augenmaß. Das klappte in der NBA, beim VfL wird es zur Achillesferse. Die Scouts lieferten elf neue Spieler, nur drei davon haben sich durchgesetzt. Die restlichen Leih- und Festgeschäfte verstopfen heute die Gehaltsliste. Die Folge: wenig Spielraum für Kurzzeit-Feuerwehrleute.

Die Mannschaft reist am Freitag nach Mainz, ein Sechs-Punkte-Spiel im November. Verliert Wolfsburg, rückt der Abstand zur sicheren Zone auf fünf Zähler. Dann droht der Rekord: erstmaliger Abstieg nach 27 Jahren Erstklassigkeit. Die Fans fragen sich lautstark: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Die Antwort liegt im Kabinenflur, wo Bauer weiterhin morgens um 7:30 Uhr das Training eröffnet – und niemand weiß, ob seine Stimme bis Mai noch Gehör findet.