Sechs tausendstel trennen taubitz vom kollaps – und vom gesamtsieg

Julia Taubitz atmete einmal tief durch, dann platzte der Damm. 0,006 Sekunden – eine Fingerkuppe auf Eis – retteten der Olympia-Queen den Gesamtweltcup. Im Zielraum von Winterberg flossen keine Freudentränen, sondern ein Schwall aus Relief und purem Adrenalin.

Fräbel feiert, bis die lettin dazwischenfährt

Merle Fräbel war schon auf dem Weg zum Siegerinterview. Sie hatte die Bestzeit, die Kugel schien ihren Namen zu tragen. Dann jagt Kendija Aparjode die Bahn herunter – 0,004 Sekunden langsamer als Fräbel, aber 0,002 schneller als Taubitz. Die Deutsche muss Rang zwei hinnehmen, die Lettin führt. Die Rechnung ist simpel: Fällt Aparjode zwischen die beiden DSV-Damen, holt Fräbel den Titel.

Die Uhr stoppt bei 0,006. Aparjode landet hinter Taubitz. Vier Punkte entscheiden am Ende die Meisterschaft – so knapp war es zuletzt 1997.

Taubitz zittert mit „schwachem herz“, dann kommen die koffer

Taubitz zittert mit „schwachem herz“, dann kommen die koffer

„Der Lauf war ganz okay“, sagt Taubitz im ZDF-Interview und lacht nervös. Dass die Lettin bis zur letzten Zehntelsekunde mitmischt, „ist nichts mehr für mein schwaches Herz“. Als Moderator Constantin Zeller nach der Bedeutung fragt, bricht sie. „Sehr viel. Sorry.“ Sie winkt in die Richtung, in der ihre Eltern stehen, wischt sich mit dem Ärmel die Augen und schluchzt: „Es ist einfach unglaublich schön.“

Feiern will sie später – „im Auto“. Erst mal fährt sie nach Berchtesgadener Land, „sortiere die Koffer und meinen Kopf“. Der Weltcup ist vorbei, die Saison nicht. In zwei Wochen startet die Europameisterschaft in Lillehammer.

Die sechs Tausendstel bleiben. Sie sind länger als ein Herzschlag, kürzer als ein Atemzug – und reichen, um eine Saison zu definieren.