Tanker blockiert: 25 milliarden dollar warten im hormus, aber niemand zahlt

Zwischen Oman und Iran kreuzen 98 Öltanker mit laufenden Motoren, aber festgefahren. Lloyd’s summiert ihre Ladung auf 25 Milliarden Dollar – und das ist nur der Wert der Fracht, nicht der Schiffe. Die Frage lautet nicht mehr, wer die Kriegsrisikoprämie springen lässt, sondern: Lohnt es sich überhaupt noch, neue Riesen zu bauen?

Warum eine vlcc nur 120 millionen kostet, aber 400 000 dollar pro tag einfährt

Ein Kreuzfahrtschiff für 7 000 Gäste kostet eine Milliarde Euro. Eine Very Large Crude Carrier (VLCC) mit 300 000 Tonnen Ladung schlägt mit gerade mal 120 Millionen Euro zu Buche – umgerechnet 7 500 Fiat Panda Pandina. Der Preisunterschied liegt im Zweck: Der eine schwimmt Spaß, der andere schwimmt Öl. Doch die Rechnung geht nur auf, wenn die Tagescharter bei 25 000 Dollar bleibt. Seit der Hormus-Krise klettert die Spot-Rate auf über 400 000 Dollar pro Tag, dabei bleibt dem Reeder nichts. Kriegsversicherungen fressen die Mehrmiete, Risikozuschlag inklusive.

Die Crew besteht aus maximal 30 Seeleuten, ihr Gehalt ist ein Posten unter vielen. Bunkeröl macht 40 % der Betriebskosten aus, bei über 500 Dollar je Tonne. Addiert man Wartung, Lube, Hafengebühren und die neue Kriegs police, steigt der Break-even für eine VLCC auf geschätzte 70 000 Dollar täglich. Wer heute auf Bestellung drückt, sichert sich deshalb Gebrauchtmarktpreise: Fünf Jahre alte Tanker wechseln derzeit für 45 Millionen Euro den Eigner – ein Plus von 50 % gegenüber 2019.

Gebraucht statt neu: die heimliche rallye der secondhand-riesen

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Maersk und Cosco haben ihre Neubau-Listen gestrichen, dafür schieben private Hedge-Fonds die Gebrauchtpreise nach oben. Die Logik: Ein zweiter Besitzer spart nicht nur 75 Millionen Euro gegenüber Neubau, er umgeht auch Lieferzeiten von 36 Monaten. Zwischenzeitlich können die Spot-Rates weiter jenseits der 300 000 Dollar-Marke schwanken – ein Roulette, das sich rechnet, solange die Iran-US-Eskalation andauert.

Die Lebensdauer eines Tankers beträgt 20 Jahre, doch schon nach fünf Jahren gilt er als „erwachsen“. Wer jetzt zugreift, setzt auf ein schnelles Ende der Blockade und anschließend fallende Versicherungsprämien. Die Alternative: Für dieselbe 45-Millionen-Liste steht ein klassischer Ferrari 250 GT, Erstbesitz Marquis de Portago, zuletzt in Paris für 13 Millionen Euro versteigert. Die Entscheidung lautet also: Rohöl oder Oldtimer-Rendite – beides Spekulationen auf knappes Gut.

Fakt ist: Der Hormus-Stau treibt nicht nur die Ölpreise, sondern auch die Gebrauchtschiffe. Wer jetzt kauft, wettet, dass die 333 Jahre Lohnarbeit für einen Neubau nicht nötig sind – weil die Krise vorher endet oder die alte Lady einfach weiter Öl trinkt, solange jemand bereit ist, 400 000 Dollar pro Tag zu zahlen. Die nächste Route führt dann vielleicht nicht mehr durch die Straße von Hormus, sondern um Afrika herum – 12 zusätzliche Tage, aber risikofrei versichert.