Kreuzwieser räumt das chaos in hoffenheim weg – 759 stimmen gegen die angst

Die TSG Hoffenheim hat sich aus der lahmenden Schockstarre gerissen. Mit 759 Ja-Stimmen schmetterte die Mitgliederversammlung am Montagabend André Kreuzwieser an die Spitze des Kraichgauer Klubs – und damit weit mehr als nur ein neues Gesicht auf den leeren Vorsitzstuhl. Der 49-jährige Software-Unternehmer übernimmt eine Ruine, in der Seilschaften, Putschversuche und krankheitsbedingte Rücktritte die letzten Monate bestimmten.

Ein hoffenheimer, der den verein mal wieder regieren will

Kreuzwieser ist kein Fremder. Er spielte einst für die U-23 der TSG in der Verbandsliga, wohnt noch immer im Ort, kennt die Seitengänge der PreZero Arena genau. „Ich bin überwältigt vom Zuspruch“, sagte er, nachdem er sich gegen die Mitbewerber Florian Beil (126 Stimmen) und Uwe Heiss (122 Stimmen) durchsetzte. Die Zahl spricht Bände: Drei Viertel der 1.150 anwesenden Stimmberechtigten wollten ihn – und damit ein Ende des Dauerfeuers zwischen Fanlager, Geschäftsführung und Geldgeber Dietmar Hopp.

Denn hinter der Personalie Kreuzwieser steckt ein Machtvakuum, das den Bundesligisten monatelang lahmlegte. Jörg Albrecht warf das Handtuch, Christoph Henssler musste nach einem gescheiterten Anschlag auf Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker gehen, der dritte im Bunde, Frank Engelhardt, hielt allein die Fassade. Die Folge: Der eingetragene Verein war nur noch eingeschränkt geschäftsfähig, Transfers blockiert, Entscheidungen vertagt. Die neue Doppelführung Kreuzwieser/Beil soll das ändern – und vor allem: Ruhe reinbringen.

50+1 Gibt dem e.v. das letzte wort – und jetzt auch verantwortung

50+1 Gibt dem e.v. das letzte wort – und jetzt auch verantwortung

Das Mandat ist riesig. Seit Hopp die Mehrheit der Stimmrechte an den Stammverein zurückgab, ist der e.V. die letzte Instanz. Streit zwischen Kapital und Mitgliederbasis? Der Vorstand entscheidet. Und genau diese Schaltstelle besetzt Kreuzwieser nun drei Jahre lang. „Das Miteinander soll wieder im Vordergrund stehen“, sagte er – ein Satz, der wie ein Seitenhieb auf die vergangenen Lagerkämpfe klingt.

Schicker nutzte die Versammlung, um sich bei Hopp zu bedanken – und um die erste Personalie der neuen Ära zu verkünden: Alessandro Vogt wechselt aus St. Gallen an den Neckar. Noch diese Woche will das Gremium mit dem Geschäftsführer zusammensitzen, um den Kurs zu schärfen. Dabei wird auch Christian Ilzer wieder an der Seitenlinie stehen; der zuletzt erkrankte Trainer kehrt vor dem Spiel in Wolfsburg zurück.

Die Klatsche für die verbliebenen Neun-Bewerber um das Stellvertreteramt zeigt: Die Mitglieder wollten ein Signal der Kontinuität. Mit Florian Beil holten sie sich einen Ex-Profi ins Boot, der die Nachwuchsmanager-Rolle in der TSG-Akademie kennt. 430 Stimmen reichten – und machten den 41-Jährigen zum neuen zweiten Mann. Die Aufgabe: Die Brücke zwischen Profi-Struktur und heimischer Basis sein.

Für Hoffenheim geht es nicht nur um Punkte, sondern um die eigene DNA. Der Klub, der einst als Aufsteiger-Märchen begann, drohte zur Splittergruppe zu verkommen. Kreuzwiesers Wahl ist die Ansage, dass der e.V. wieder führen will – statt nur zu funktionieren. Ob das reicht, um das Lebenswerk Hopp’s zu wahren, wird sich an den nächsten Wochenmärkten zeigen. Eines steht fest: Wer 759 Stimmen hinter sich versammelt, kann sich sogar in Hoffenheim keinen zweiten Putsch mehr erlauben.