Kreuzwieser stopft die putz-grube: tsg hoffenheim wählt sich neu
Mit 759 gegen 248
Stimmen hat André Kreuzwieser die Macht versiegel – und die TSG Hoffenheim begräbt endlich den November-Graben. Der 45-jährige Unternehmer aus Sinsheim ist neuer Erster Vorsitzender, nachdem sich der Verein monatelang selbst zerfleischte.„Ich bin überwältigt und mir der Verantwortung bewusst“, sagte Kreuzwieser vor 1.200 stimmberechtigten Mitgliedern in der Arena. Die Kampfabstimmung war nötig geworden, weil Jörg Albrecht im Streit um Berater- und Millionenfragen zurückgetreten war. Seitdem schwappte Chaos durch alle Gremien – bis zur Notlösung Albrecht-Return, um juristische Handlungsfähigkeit zu wahren. Ein Déjà-vu mit Geschmack von Fehlbesetzung.

Hopp bleibt das große rückgrat
96 Prozent GmbH-Anteile liegen weiter bei Dietmar Hopp. Der 85-Jährige, der inzwischen eine halbe Milliarde Euro in den Klub gepumpt hat, saß am Montag in der ersten Reihe. Ohne ihn gäbe es laut Ex-Geschäftsführer Andreas Schicker „in ein paar Jahren keine TSG mehr in der Bundesliga“. Die Machtverschiebung auf Vereinsebene ändert an der wirtschaftlichen Abhängigkeit also nichts – sie verlagert nur den Showmaster.
Die Profi-Mannschaft spielt nebenan derweil das beste Herbsthalbjahr seit 2020. Rang vier winkt Richtung Champions League, obwohl intern die Personalfrage offen blieb. Sportliche Stabilität als Kontrastprogramm zur Gremien-Feuertaufe – ein Schelm, wer an Zufall glaubt.
Kreuzwieser kündigte an, Schicker und Co. nicht länger als Schachfiguren zu missbrauchen. „Es wird darum gehen, dass in unserem Verein wieder Ruhe einkehrt“, betonte er. Ob das gelingt, entscheidet sich nicht in der Arena, sondern im Umkleidekabinen-Flur der Geschäftsführung. Die nächste Mitgliederversammlung ist in zwölf Monaten. Bis dahin muss Kreuzwieser liefern – oder Hopp liefert neue Wechselgeld-Fragezeichen.
