Cade cunningham fällt aus – und die nba-65-spiele-regel gerät ins kreuzfeuer
Cade Cunningham wird die Saison mit 60 Einsätzen beenden, weil ihm ein Lungenkollaps die Luft raubte. Mit 24,5 Punkten und 9,9 Assists pro Spiel war er lange MVP-Kandidat – doch die 65-Spiele-Schallmauer macht ihn zum Verbündeten jedes, der diese Regel für absurd hält.
Die NBPA schlägt jetzt Reformen vor, doch dahinter steckt mehr als nur Solidarität mit einem verletzten Star. Die Spielergewerkschaft hatte die Klausel 2023 selbst mitabgestimmt, weil sie den neuen TV-Vertrag in Höhe von 76 Milliarden Dollar über sieben Jahre absichern wollte. Die Super-Max-Gehälter, die daraus resultieren, sind jetzt genau das, was Cunningham verpasst.
Warum die 65-spiele-regel überhaupt existiert
„Load Management“ war das Schreckgespenst der Rechteverhandler. Amazon, ESPN und Co. wollten Garantien, dass Luka Dončić, LeBron James und Co. nicht einfach Nachtsdienste schieben, weil der Kalender eng wird. Die Antwort der Liga: Keine Auszeichnung ohne 65 Auftritte. Die Spieler stimmten zu, weil jede Partie mehr Fernsehgeld bedeutet – und jedes Fernsehgeld ihren Salary Cap in neue Dimensionen treibt.
Cunningham ist jetzt das Paradebeispiel für die Schattenseite. Seine Verletzung ist kein Pferdefuß, sondern ein medizinischer Notfall. Trotzdem bestraft ihn die Regel doppelt: keine Awards, keine All-NBA-Nominierung, kein Super-Max. Die Folge: etwa 35 Millionen Dollar, die ihm über die Laufzeit eines Fünfjahresvertrags durch die Lappen gehen könnten.

Tv-partner werden nicht einfach kuschen
Die NBA kann die Klausel nicht per Handschlag streichen. Die Streaming-Riesen haben Milliarden gezahlt für ein Produkt, das prominent und konstant ist. Ohne Garantie, dass die Besten spielen, sinkt der Wert der Inventory – und damit der Preis der nächsten Rechteperiode. Es ist unwahrscheinlich, dass im Vertrag keine Sanktionsmechanismen für eine Abschaffung verankert sind.
Denkbar ist eine Reform: die Schwelle von 65 auf 62 oder 60 zu senken, wenn ein unfreiwilliger Ausfall durch Verletzung vorliegt. Die NBA hat bereits eine Medical-Exemption, doch erst ab 62 Spielen. Cunningham fehlen zwei Partien, um in diesen Schutz zu fallen. Die Diskussion wird daher nicht lange auf Spielerebene bleiben, sondern direkt in den nächsten Collectice Bargaining Agreement einfließen.

Die ironie der statistik
Mikal Bridges spielt seit acht Jahren ohne Pause, sammelt 14,7 Punkte pro Partie und kommt so auf über 1.200 Punkte pro Saison. Ein 20-Punkte-Scorer mit nur 60 Spielen bleibt darunter. Die 65-Spiele-Regel zwingt also zur Dauerpräsenz, belohnt gleichzeitig aber nicht die Leistung, sondern bloß die Verfügbarkeit. Für Cunningham ist das ein Schlag ins Gesicht – und für die Liga ein PR-Desaster kurz nach dem Start des Mega-Deals.
Die NBA steht vor demselben Dilemma wie die NFL: Der Körper hat seine Grenzen, der Vertrag aber nicht. Wer jetzt aufweicht, riskiert Milliarden. Wer hart bleibt, riskiert das Gesicht. Die Entscheidung fällt hinter verschlossenen Türen, aber die Rechnung zahlen weiterhin die Spieler – und manchmal eben auch Cade Cunningham.
