Napoli darf wieder kaufen: figc hebt transfer-sperre auf

Die Blockade ist Geschichte. Napoli kann im Sommer wieder auf dem Markt shoppen – und das hat nichts mit Gnade, sondern mit nüchternen Bilanzzahlen zu tun. Die FIGC revidiert ihre eigene Regel, weil ein Klub mit 190 Millionen Euro Eigenkapital nicht länger zum Zuschauer degradiert wird.

De laurentiis bekommt sein referendum – und gewinnt

Aurelio De Laurentiis hat den Kampf gegen die sogenannte „ingrossato costo del lavoro“-Klausel gewonnen. Bislang führte ein Verhältnis über 70 Prozent zwischen Personalkosten und Gesamterlösen automatisch zu einer Transferbremse. Wer keine Ausgleichsbewegung per Spielerverkauf oder Kapitalerhöhung schaffte, durfte nicht kaufen. Genau das traf den SSC Napoli im Winter, obwohl die Kassen quollen.

Die Neu-Fassung des Titels VI der Noif erlaubt jetzt die Auffüllung aus „verteilbaren Gewinnrücklagen“, sofern sie in Zwischenbilanzen per 31. März oder 30. September ausgewiesen sind und die Hauptversammlung einen Verwendungsbeschluss fasst. 195 Millionen Euro stehen bei den Partenopei zur Verfügung – mehr als genug, um die Lücke von 21 Millionen Euro zuzuschütten, die sie ins verbotene Raster rutschen ließ.

Inter, juve und roma blockierten – milan stimmte dagegen

Inter, juve und roma blockierten – milan stimmte dagegen

Im Dezember war De Laurentis’ Anliegen noch mit Vetoen abgeschmettert worden. Inter, Juventus und Roma enthielten sich, der AC Milan lehnte ab. Das Argument: Eine Änderung mitten im Bewerb würde den Wettbewerb verzerren. Nun aber ist der Vorstandsrat der FIGC eingeschwenkt – und zwar mit Wirkung für alle künftigen Kontrollperioden, nicht nur für Napoli.

Der Effekt ist sofort spürbar: Bereits im Mai, wenn die neue Independent Commission die Unterlagen für den Sommer-Check prüft, darf der Klub die Gewinnrücklagen anrechnen. Dazu kommt ein Trick aus der Handelsbilanz: Napoli und Udinese belasten Spielerechte per degressiver Abschreibung. Das führte zu künstlich hohen Kostenquoten, wird nun aber berücksichtigt. Ergebnis: Die 70-Prozent-Hürde dürfte klar unterschritten sein.

Kein freibrief, sondern ein kurswechsel

Kein freibrief, sondern ein kurswechsel

Die Lockerung ist kein Blankoscheck. Die FIGC behält Sanktionsmöglichkeiten bei, sollten Klubs die Rücklagen kurzfristig auffressen und danach wieder in rote Zahlen rutschen. De Laurentiis selbst hat intern bereits angekündigt, die Brutto-Sportkosten von aktuell 240 Millionen Euro zu drosseln. „Wir wollen wachsen, aber nicht auf Pump“, zitiert ihn ein Mitarbeiter. Das heißt: Star-Einkäufe wie die 75-Millionen-Offensive der vergangenen zwei Jahre sind unwahrscheinlich.

Dennoch ist die Message unmissverständlich: Italien erkennt an, dass Eigenkapital keine Sünde ist. Wer klug wirtschaftet, darf auch investieren. Für Napoli bedeutet das die Rückkehr in die erste Transfer-Reihe – und eine kleine Revolution im Finanz-Fußball der Serie A.