Steffen tolle verabschiedet sich nach zwölf jahren aus st. galler investor-deck
Steffen Tolle zieht den Stecker. Nach zwölf Jahren im Aktionariat der FC St.Gallen Event AG verkauft der Investor seine Anteile an die bestehende Eignergruppe – und verschiebt damit die Machtverhältnisse im Ostschweizer Traditionsklub erneut.
Die Übergabe erfolgt still, fast lautlos. Kein Streit, kein Streit über den Preis. Die Anteile wechseln innerhalb der alten Garde, die Kontrolle bleibt in der Region. Genau das war Tolles Kalkül. „Ich wollte keine Fremdkapitalgeier hereinspazieren lassen, die den Club zur Cash-Cow machen“, sagt er. „St. Gallen ist kein Umschlagplatz, sondern ein Lebenswerk.“

Die bilanz: cup-hoffnung statt champions-league-traum
Sein Engagement begann 2012, als der FCSG am Rand der Insolvenz taumelte. Tolle pumpte Millionen, modernisierte die Infrastruktur, trieb die Professionalisierung voran. Heute schreibt die Event AG schwarze Zahlen, das Budget liegt bei 23 Millionen Franken, die Nachwuchsakademie gilt als Top-Adresse in der Schweiz. Die Sportliche Leitung setzt auf Daten statt auf Bauchgefühl – und landete damit in der laufenden Saison auf Tabellenplatz drei. Mehr als die Hälfte der Startelf besteht aus Eigengewächsen. „Wir haben nicht nur überlebt, wir haben einen Spielstil entwickelt, der unsere Fans wieder ins Stadion lockt“, bilanziert Tolle.
Doch der 58-Jährige spürt: Die Luft wird dünn. Die nächste Stufe – regelmäßige Europacup-Teilnahme – würde weitere Risikokapital-Einschüsse erfordern. „Ich habe keine Lust mehr, jedes Jahr neue Geldgeier zu suchen, nur um in der Quali-Runde mitzumischen“, gibt er offen zu. „Aber der Cup? Den holen wir dieses Jahr. Darauf lasse ich wetten.“
Die interne Lösung sichert dem Klub Planungssicherheit bis 2027. Die neuen alten Eigner – darunter die Familien Sutter und Rösch – verpflichten sich, keine Gewinnausschüttungen vorzunehmen und 15 Millionen in die Infrastruktur zu pumpen. Der Deal ist fix, die Unterschriften trocken. Tolle selbst bleibt als Berater an Bord, doch seine Stimme im Verwaltungsrat verstummt.
Am Freitag trainierte der FCSG bereits wieder. Die Spieler wissen: Wer jetzt den Kopf hängen lässt, fliegt raus. Der Cup-Halbfinaleinzug gegen Yverdon nächste Woche ist Pflicht. Die Fans skandieren bereits „Toulle, Toulle“ – und meinen damit nicht den Investor, sondern den französischen Mittelstürmer. Die Symbiose aus Region und Erfolg lebt weiter, nur ohne Steffen Tolle an der Spitze. Er selbst wird am Finaltag in Bern nicht im VIP-Rang sitzen, sondern auf der Tribüne zwischen den Ultras. „Dort gehöre ich hin“, sagt er. „Und wenn der Pokal in St. Gallen landet, habe ich trotzdem gewonnen.“
