Wie ein fotograf aus new york mit disziplin und kniebeugen die mode erobert
Scott Schuman hat die Straßen von Mailand nicht nur im Visier, sondern auch seine Makrozyklen. Morgens um sechs Espressi, dann 90 Minuten Kreuzheben, Beinpresse, Ruderergometer – und plötzlich steht da ein Mann, der mit 1,2 Millionen Followern die Modewelt befeuert, aber selbst keinen einzigen Gramm Fett zulässt.
Die Rede ist vom Mastermind hinter The Sartorialist, dem Blog, der 2005 die Modestreet fotografierte, bevor Instagram überhaupt existierte. Heute trifft man ihn im Fitnessstudio Navigli, nicht in der Front Row. Sein Training? Fünf Tage die Woche, Split-Plan, Core-Drill, 15 Minuten Stepper, 15 Minuten Lauf, 15 Minuten Ruder – alles ohne Smartphone, dafür mit Stopwatch. „Ich hasse Laufbänder, das ist wie Fotografieren im Keller“, sagt er zwischen zwei Sätzen Kurzhantel-Curls.
Margaritas gegen milchsäure: der deal mit mailand
Seit er von New York nach Mailand zog, hat er drei Kilo abgenommen – nur, weil er auf Tacos und Tequila verzichtet. Frühstück: griechischer Joghurt mit Proteinpulver. Mittag: rohe Hülsenfrüchte, ein Schuss Olivenöl. Abend: Hähnchen oder Fisch, kaum Brot, höchstens ein Gelato als Belohnung. „Die Stadt ist ein Cardio-Paradies“, schmunzelt er, „ich laufe zum Training, radle zur nächsten Location, und zwischen den Shows schlage ich 20 000 Schritte.“
Dabei ist Sport für ihn kein Ausgleich, sondern Treibstoff. „Wenn ich am Strand in Forte dei Marmi Leute fotografiere, spüren sie sofort, ob du kraftvoll auftauchst. Die Kamera ist nur ein Verlängerungsrohr meiner Körperspannung.“ Schuman redet nicht über Filter, er redet über Fast-Twitch-Fasern. Er zitiert Armani, der mit 70 wie 50 aussah, und meint: „Disziplin ist das neue Charisma.“

Von wrestling zur wide-angle: warum sport seine bilder schärft
Früher war er selbst auf der Matte, heute liegt sein Blick auf Knöcheln und Schulterpartien. „Wrestling hat mir gelehrt, Körperhaltung zu lesen. Bei Street Style ist das dasselbe: Wer sich in seinem Körper wohlfühlt, trägt Stoff anders.“ Deshalb achtet er nicht nur auf Schnitte, sondern auf Sichtbare Rückenmuskeln hinter Seidenhemden. Seine Bilder wirken, weil seine Models – ganz gleich, ob Taxifahrer oder Prinzessin – wissen, dass der Fotograf mit 55 noch 90 Sekunden Plank schafft, bevor er den Auslöser drückt.
Und nein, er will nicht ins Peloton der Profis. „Ich wäre zu langsam, und Angst hätte ich auch“, lacht er. Aber er schaut Radsport, weil ihn die „Stunden im Sattel ohne Sprechpause“ faszinieren. „Da steckt die gleiche Langstreckengeduld wie beim Warten auf das perfekte Licht an der Piazza del Duomo.“
Am Ende bleibt eine einfache Rechnung: 1,5 Stunden Training pro Tag, 1,2 Millionen Menschen, die ihm zusehen, wie er anderen zuseht. Schuman macht keine Modestrecken, er macht Strecken. Und wenn er morgen wieder die Stepper-Stufen zählt, weiß er genau: jede Wiederholung ist ein Pixel in seinem nächsten Foto. Die Kamera liegt im Spind – der Blick ist scharf genug.
