Debora silvestri entlassen: erste atemzüge nach dem sturz aus 10 metern höhe

Sechs Tage nach dem Flug über die Leitplanke kehrt Debora Silvestri nach Hause – nicht auf dem Rad, sondern auf weichen Sohlen. Die Italienerin verlässt das Krankenhaus mit fünf gebrochenen Rippen und einer Mikrofraktur in der Schulter, doch sie verlässt es auf eigenen Füßen. Das ist schon jetzt die größte Siegerehrung dieses Frühjahrs.

Warum der sturz auf der poggio-abfahrt das frauenpeloton erschüttert

Die 27-Jährige raste in der Abfahrt von der berüchtigten Mauer, katapultierte sich über die Metallbrüstung und schlug rund zehn Meter tiefer auf dem Asphalt auf. Bilder, die Eurosport nicht mehr zeigt. Kolleginnen bogen nach dem Unfall spontan ab, einige weinten auf dem Rad. Die Rennleitung unterbrach das Rennen für 18 Minuten – eine Ewigkeit im Radsport.

Laboral Kutxa-Fundación Euskadi bestätigt: Silvestri wurde beatmet, dann extubiert, dann wieder stabil. Die fünf Rippenfrakturen erinnern an ein Scherbenmuster. Die Schulterfraktur ist „mikro“, doch der Schock ist makro. Ihr Team spricht von „Vorsicht und ständiger ärztlicher Überwachung“, was in Klartext heißt: Die Nächte waren unruhig, die Atemgeräusche beängstigend.

Was kaum jemand merkt: Silvestri war keine Nebenfigur. In Sanremo fuhr sie als einzige Italienerin im Top-Ten-Platzierten-Klumpen mit, kurz vor dem Sturz noch in Position sieben. Ein Klassiker-Spezialistin, die sich gerade ihren Traum erfüllte. Jetzt ist der Trau­diener aufgeschoben.

Wie die peloton-schwestern reagierten – und was sie fordert

Wie die peloton-schwestern reagierten – und was sie fordert

Lotte Kopecky gewann das Rennen, doch ihre ersten Worte galten Silvestri. „Ich wollte die Arme nicht heben“, sagte die Belgierin. Weltmeisterin Annemiek van Vleuten twitterte sofort: „Wir brauchen Sicherheitsnetze auf der Poggio-Abfahht.“ Der Ruf nach Leitplanken auf Augenhöhe wird lauter, nachdem in diesem Frühjahr bereits zwei schwere Männerstürze die Kurve rasiert haben.

Die UCI prüft, die Organisatoren schweigen. Der Streckenverantwortliche von RCS Sport ließ durchblicken, man werde „technische Lösungen evaluieren“. Das klingt nach Bürokratie und nach einem Sommer voller Proteste. Denn die Fahrerinnen wollen nicht warten, bis das nächste Bike in den Ligurischen Himmel fliegt.

Silvestri selbst meldete sich per WhatsApp-Stimme: „Ich atme wieder. Danke für jede Nachricht.“ Die Sprache bröckelt, die Lunge arbeitet. Doch sie lacht – ein krächzendes Lachen, das stärker wirkt als jedes Podiumsfoto. Iren stellt sich die Frage, wann sie wieder in die Startaufstellung rollt. Ihr Arzt sagt: Frühestens in vier Monaten. Bis dahin wird das Peloton über Sicherheit debattieren, und Debora Silvestri wird zum Gesicht dieser Debatte werden.