Balenciaga zurück: mt melsungen tankt mit spanischem zauberer neue power

Erik Balenciaga steht wieder in der Halle, zwanzig Sekunden reichen, und plötzlich wirkt MT Melsungen schneller, mutiger, lebendiger. Nach 190 Tenorrhaphie-Qual kehrt der 32-jährige Spielmacher aus Extremadura zurück – noch nicht als Dauerbrenner, doch als Zündschnur.

Schambeinentzündung stoppte den dirigenten

Seit dem 3. März, European-League-Auftakt gegen Kristianstad, ist er wieder offiziell auf dem Zettel. 14:39 Minuten Spielzeit, vier Assists, zwei Tore – Zahlen, die nach Sparringswochen klingen, aber die Uhr lügt nicht: Die Ballgeschwindigkeit steigt, sobald seine linke Hand den weißen Lederfaden berührt.

„Ich habe jede Sekunde vermisst, vom ersten Schritt bis zum letzten Pass“, sagt Balenciaga, während er sich die schwarzen Haare aus der Stirn streicht. „Der Körper meldet sich, aber er meldet sich positiv.“ Mehr will er nicht verraten, kein Datum, keine Prognose. Sein Management nennt das „Lastenheft statt Laufpass“ – kein Druck, nur Stunden auf dem Asphalt und auf dem Hallenboden.

Trainer Michael Roth nutzt ihn wie einen Ass im Ärmel. Zweiminütige Segmente, meist in Unterzahl- oder Tempophasen. Die Statistik spiegelt es: In Balenciagas Kurzeinsätzen klettert die Wurfquote der Rückraum mitte von 54 auf 67 Prozent. Kleine Stichprobe, große Wirkung.

Gegen kiel soll der zauber weitergehen

Gegen kiel soll der zauber weitergehen

Freitag, 19 Uhr, Sparkassen-Arena. MT empfängt den Rekordmeister THW Kiel – und Balenciaga bekommt erneut ein Zeitkontingent zwischen 12 und 18 Minuten. „Gegen Kiel zählt jeder Ball, den du schneller als der Gegner trägst“, sagt er. „Das passt zu mir.“

Dahinter steckt ein mentaler Kraftakt. Die Schambeinentzündung galt lange als Phantomverletzung, Ärzte wechselten, Reha-Methoden auch. Balenciaga flog nach Barcelona, lie sich von Stammzellenspezialisten behandeln, trainierte mit GPS-Sensoren auf den Oberschenkeln. „Wenn du nachts um drei aufwachst, weil die Adduktoren zucken, fragst du dich schon, ob sich das jemals lohnt.“

Die Antwort lautet: ja. Die Kabine feiert ihn als „El Mago“, die Fans skandieren sein Namen, sobald er die Linie übertritt. Und die Zahlen des Klubs zeigen seit seiner Rückkehr einen Aufwärtstrend: drei Siege in vier Pflichtspielen, 102 Tore aus dem Rückraumzentrum – vorher nur 86.

Die Meisterschaft ist eng, Platz vier bis neun innerhalb von zwei Punkten. Balenciaga liefert keine Revolution, er liefert Impulse. „Wir reden hier nicht von einem Comeback für die Galerie“, sagt Co-Trainer Alibek Käsler. „Er ist unser Turbo, wenn die Maschine brummt.“

Bei den Kieler wird Innenblocker Patrick Wiencek aufpassen müssen. „Er liest die Räume, bevor sie entstehen“, sagt Wiencek. „Da reicht ein Sekundenbruchteil, und plötzlich steht einer frei.“ Genau diese Sekunden will Balenciaga kaufen – für sich, für Melsungen, für die Restsaison.

Die Uhr tickt, der Countdown läuft. Wenn Balenciaga am Freitag den ersten Pass schlägt, wird die Halle aufstehen. Nicht weil er schon wieder 60 Minuten kann, sondern weil jeder weiß: Die 20 Minuten, die er spielt, können über Sieg oder Niederlage entscheiden. So definiert sich Magie neu – Minute für Minute, Spiel für Spiel.