Werder stürmt mit 5000 fans nach wolfsburg – bittencourt will jubiläum zum k.o. nutzen
5000 Werder-Anhänger, ein Syndesmoseriss, ein verletzter Kampfmaschine und ein 32-Jähriger mit Startnummer 300: Am Samstag wird im Volkswagenwerk mehr als nur ein Fußballspiel ausgetragen – es ist der Tag, an dem Werder Bremen die Saison entweder auf Kurs bringt oder endgültig in den Strudel zieht.
Thioune redet sich frei: «erst eine runde, kein finale»
Daniel Thioune hasst das Wort Endspiel. «Es ist wieder nur eine Runde», sagt er und kaut dabei fast das Mikro kaputt. Der Coach weiß: Werder hat in den vergangenen Wochen zu viele Haken bekommen, jetzt muss das Team nach vorne boxen. Seine Analogie vom Boxkampf ist kein Zufall – die Saison ist ein 34-Runden-Marathon, der zuletzt fast Knock-out ging. Gegen Mainz ging der Herausforderer zu Boden (0:2), jetzt liegt die Pflicht beim Gegner, heißt es in der Kabine.
Doch die Personaldecke ist dünn wie ein Boxband. Mit Julian Malatini fällt ein weiterer Defensivspieler für den Rest der Saison aus – Syndesmoseriss, sofort operiert. Senne Lynen bahnt sich mit Adduktorenproblemen ebenfalls keinen Weg nach Niedersachsen. «Wir laufen auf der Felge», gibt Thioune unverblümt zu. Die Lösung: ein 4-4-2-Diamant, bei dem Leonardo Bittencourt die Zehn besetzt und sein Jubiläum zum Fanfarensturm nutzen soll.

Bittencourt und der mythos 300: «ich will geschichte schreiben»
300 Bundesliga-Einsätze – für die meisten Spieler eine Zahl, für Bittencourt eine Kampfansage. «Eine schöne Plattform, dann vielleicht auch Geschichte zu schreiben», sagt Thioune und schickt seinen Mittelfeldgeneral ins Zentrum der Hoffnung. Der 32-Jährige kennt die Rolle: Anführer, Ballverteiler, Notnagel. Gegen Wolfsburg wird er zum zentralen Zahnrad, denn ohne Lynens Laufkraft und Malatinis Robustheit braucht Werder jede Ballannahme, jede Balleroberung, jeden Sprint.
Die Statistik spricht für ihn: In seinen letzten drei Spielen mit Startelfeinsatz erzielte Werder fünf Punkte. Die Frage ist nur, wie lange die Maschine noch ohne Ersatz läuft. Thioune bastelt, wie er sagt – und bastelt vor allem an der Psyche seiner Spieler.

Wolfsburg – das schlachtfeld, auf das werder sich stürzt
Der VfL ist die Achterbahn der Liga: Nur neun Punkte aus 13 Heimspielen, schlechteste Bilanz aller 18 Klubs. Für Werder-Fans klingt das wie ein Geschenk, das sie trotzdem erst auspacken müssen. 5000 Grün-Weiße werden erwartet, viele davon auf der Tribüne, einige versteckt zwischen den Wolfsburger Blocks. Die Sorge der Gastgeber: eine neue HSV-Invasion. Die Bremer Vereinsspitze reagiert: «Wer als Werder-Fan erkennbar im Heimbereich sitzt, bekommt keinen Zutritt», sagt Sprecher Christoph Pieper. Doch genau diese Drohung macht die Reise erst recht zur Pilgerfahrt.
Die Rechnung ist simpel: Gewinnt Werder, springt es auf Platz 13 und hätte vier Punkte Vorsprung auf den Strich. Verliert, rutscht es auf 15 und Wolfsburg vorbei. «Es ist nicht das Finale, aber es ist die Runde, die uns entweder Luft oder Knebel gibt», sagt ein Vereinsinterner. Die Fans wissen: 90 Minuten Taktik, 90 Minuten Emotion – und am Ende zählt nur, ob die Mannschaft noch auf der Felge rollt oder mit Vollgas in die Länderspielpause düst.
Der Countdown läuft: 5000 Stimmen gegen die Statistik, ein Jubilar gegen die Angst, ein Coach gegen die eigene Euphorie. Am Samstag um 15.30 Uhr ist nicht nur grün-weiße Hoffnung im Volkswagenwerk zu sehen – sondern auch, ob Werder nach 28 Spieltagen endlich wieder in der Spur bleibt. Die Felge mag dünn sein, das Rad dreht sich trotzdem – und es dreit sich schneller als Wolfsburg in dieser Saison.
