Kassel wird zur schaltzentrale gegen gewalt im sport
Endlich. Nach Jahren des Diskutierens, der Appelle und der unzähligen Biografien mit zerschlissenen Seelen springt der Staat in die Bresche. Das Zentrum für Safe Sport bekommt ein Zuhause – und zwar nicht irgendwo, sondern in Kassel. Ab Herbst öffnet es die Tore, ab Mitte 2027 soll es voll durchstarten.

Ein schiedsgericht, das zupackt
Christiane Schenderlein, CDU und Staatsministerin für Sport, sprach auf Norderney von einem „zentralen Baustein“. Das klingt nach Bürokratie, ist aber ein Knüppel. Das Zentrum bekommt eigene Ermittlungsbefugnisse, kann Strafen verhängen und muss nicht erst betteln. Intervention, Prävention, Aufarbeitung – alles unter einem Dach. Kein Flickenteppich mehr, keine verlegten Akten.
Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland, atmet auf. „Der Beschluss macht den Weg frei“, sagt er, doch seine Stimme bleibt scharf. Er fordert, dass die Verbände ihre Ermittlungsrechte abtreten. Sonst laufe alles wieder ins Leere. „Der wirksame Schutz von Menschen im Sport sollte nicht freiwillig sein.“ Die Pointe: Er verlangt, dass der Staat endlich seine Schutzpflicht wahrnimmt – nicht nur für Spitzensportler, sondern auch für das Kind auf der Kreisliga-C.
Die Länder schieben nach. Sie wollen ihre Fördergelder als Hebel nutzen. Keine Regelung für Gewaltschutz, kein Geld. So einfach kann Druck sein.
Die Zahl, die bleibt: 2027. Dann soll das Zentrum im Regelbetrieb laufen. Bis dahin müssen die Verbände entscheiden, ob sie mitziehen oder blockieren. Für die Betroffenen ist das keine Frage der Bürokratie, sondern der Würde.
