Werder kratzt am thron: 8:4 im entscheider, düsseldorf zittert sich frei
Die Klaus-Dieter-Fischer-Halle kochte, dann verstummte sie wie nach einem Schlag auf die Kehle. 8:4 im fünften Satz des Doppels, 700 Leute auf den Beinen – und plötzlich stand es 8:11. Werder Bremen hatte Rekordmeister Borussia Düsseldorf am Rande der Niederlage, doch der Tischtennis-Thron wackelt nur, wenn er will. Am Ende bleibt ein 2:3, das sich anfühlt wie ein Sieg, weil es keiner war.
Cristian tamas spricht das aus, was alle denken
„Das fühlt sich nicht wie eine Niederlage an“, sagt Werders Coach Cristian Tamas, noch mit Trillerpfeifen in den Ohren. Er umarmt Kirill Gerassimenko, der an diesem Abend zweimal die Welt dreht und zweimal gewinnt – einmal nach 0:2-Satzrückstand gegen Kanak Jha, einmal mit 12:10 im dritten Satz, als die Uhr schon Mitternacht schlägt. Doppelsieger, aber kein Matchsieger. „Wir haben uns das verdient“, sagt Tamas, „nur: Verdienen reicht gegen Düsseldorf nicht.“
Die Zahlen sind hart: Mattias Falck, frisch zurück zu seinem Geburtsnamen Karlsson, verliert beide Einzel in fünf Sätzen, obwohl er in beiden den Matchball hat. Irvin Bertrand gleicht das Tempo seines Gegners Anton Källberg an, verspielt aber beim Stand von 10:12 im Entscheider den Satz und später das Doppel. Die Serie 8:4–8:11 ist kein Kollaps, sie ist ein Mikro-Mäusekino: zwei Netzroller, ein Aufschlag ins Band, ein Rückhand-Return, der einen Zentimeter zu lang ist. Sport auf Messers Schneide, nur dass das Messer am Ende nach Bremen zeigt.

Die tabelle lügt nie – und düsseldorf darf wählen
Mit dem Verlust springt Werder auf Platz zwei, zwei Punkte hinter Düsseldorf, zwei Spieltage vor Schluss. Der Meister darf im Final-Four am 30. und 31. Mai in Frankfurt entscheiden, ob er Halbfinale gegen Platz drei oder vier bekommt. Werder muss nehmen, was übrig bleibt. „Wir wollten die Power“, sagt Tamas, „jetzt holen wir sie uns im Play-off.“
Die Saison ist längst mehr als eine Fußnote im Bremer Sportjahr. 15 Siege, ein Auswärtssieg in Düsseldorf nach zwölf Jahren, ein Team, das sich selbst als Außenseiter ins Finale mogelt und dort mit allem rechnet, nur nicht mit Respekt. Die Fans feiern trotz Niederlage, weil sie wissen: Wer so nah am Thron kratzt, kann ihn auch noch umkippen. Die Halle war voll, die Herzen leer nach dem Schlusspunkt – aber nur, bis die ersten Handys die Videos von Gerassimenkos Aufholjagd hochladen. Dann kommt wieder Stolz.
Die letzten beiden Spiele gegen Saarbrücken und Fulda sind keine Pflicht mehr, sondern Feinschliff. Tamas hat schon gewarnt: „Wir müssen noch ein bisschen besser werden.“ Die Wahrheit klingt wie ein Versprechen. Denn wenn Düsseldorf in Frankfurt auf Werder trifft, wird keiner mehr an 8:4 denken – außer vielleicht Anton Källberg, wenn er wieder den Aufschlag nimmt und spürt, wie nah die Klinge damals war. Dann wird die Halle nicht mehr verstummen, sie wird explodieren. Und diesmal wird Werder nicht umarmen, sondern zubeißen.
