Málaga wirbelt: 33:18-coup gegen kynžvart – halbfinale schon so gutig wie sicher
Costa del Sol Málaga hat am Freitagabend die Handball-Welt kurz zum Stillstand gebracht. 33:18 gegen Hazena Kynžvart – ein Vorsprung, der selbst im Hallensport zur Torshow mutiert. Die Partie war nach 60 Minuten keine Viertelfinal-Begegnung mehr, sondern eine Demonstration von Tempo, Druck und dem Gefühl, dass eine Ära vor ihrem krönenden Abschluss steht.
Die zweite hälfte war ein monolog
Pause: 16:12. Noch eine offene Angelegenheit. Doch was danach folgte, war keine Reaktion, sondern ein Rundumschlag. 17:6-Tore in einem einzigen Durchgang – das ist kein Lauf, das ist eine Zirkusvorstellung. Isa Medeiros feuerte acht Granaten, Espe López fünf, und selbst Verteidigerin Silvia Arderius schaltete sich mit vier Treffern ein. Die Tschechinnen kamen bis zur 45. Minute an die Mittellinie, danach nur noch an den Kreis – und selbst der war dicht.
Die Zahlen sind schonungslos: 54 % verwandelte Würfe für Málaga, 36 % für Kynžvart. 15 Tore Differenz bedeuten in Europacup-Kreisen, dass der Rückspiel-Termin diesen Sonntag (12 Uhr, Pabellón José Luis Pérez Canca) eigentlich nur noch ein offizieller Akt ist. Ein „Wunder von Kynžvart“ müsste her, doch wer das Team um Kapitän Estela Doiro in den letzten Wochen beobachtet hat, weiß: Diese Mannschaft glaubt nicht an Wunder – sie baut sie selbst ab.

Das letzte kapitel eines goldzeitalters
Hinter dem Spielzettel steckt ein Stimmengewirr. Viele Akteurinnen – darinsilencio Doiro, Medeiros, Arderius – haben angekündigt, dass dies ihre letzte Saison in Andalusien wird. Trainer José Luis Pérez Canca sprach deshalb schon vor Wochen vom „Endspiel-Modus im November“. Die Folge: kein Training, das länger als 90 Minuten dauert, dafür Videostudium bis tief in die Nacht. Jede Gegenbewegung des Gegners wurde zerlegt, jede Lücke kartiert.
Der Ertrag ist messbar: Málaga kassierte in dieser European-Cup-Saison erst 18,2 Gegentore pro Spiel – weniger als jede andere Mannschaft im Wettbewerb. Die Offensive wiederum schlägt mit 30,7 Treffern im Schnitt zu – ein Wert, der sonst nur Final-Four-Teams der Champions League zusteht. Die Spanierinnen spielen, als wäre ihnen die Uhr abgelaufen – und als wüssten sie, dass genau das stimmt.
Das Publikum im Carranque, 2.800 Zuschauer, spürte das. Zwischen der 38. und 42. Minute schwieg die Halle komplett, weil Kynžvart den Ball dreimal in Folge nicht über die Mittellinie brachte. Dann brach Tos, Trillerpfeifen, ein Chor, der nicht mehr aufhörte. Die Fans wissen: Der Pokal, den Málaga vor fünf Jahren zum ersten Mal hob, steht wieder in Reichweite – und diesmal winkt eine goldene Verabschiedung.
Für Kynžvart bleibt die Erkenntnis, dass man gegen ein Team mit Ablaufdatum selten Chancen hat. Die Tschechinnen reisen mit gebrochenem Selbstvertrauen heim, haben aber schon zugesagt, trotz des Rückstands anzutreten. „Wir wollen wenigstens unser Gesicht wahren“, sagte Trainer Jan Bělka. Es klang, als hätte er das Spiel vom Freitag schon abgehakt – und die Rechnung ohne die Ibererinnen gemacht.
Am Sonntag also rollt der Ball erneut. Formal steht ein Halbfinaleplatz auf dem Spiel, faktisch wartet Málaga nur noch auf die obligatorische Handshake-Line. Dann dürfen Doiro und Co. ihre letzte europäische Reise antreten – mit dem Gepäckstück, das sie sich selbst auferlegt haben: nichts weniger als der Titel. Wer einmal gesehen hat, wie sie die Kynžvarter Abwehr zerlegt haben, der weiß: Diese Mission ist längst kein Traum mehr, sondern ein Termin im Kalender.
