Wembanyama ballert spurs zurück in playoffs – und warnt schon
Die Uhr tickte runter, die Spurs lagen 100:99 hinten, und die Ballbesitzpfeife schien zu schreien: Jetzt oder nie. Victor Wembanyama nahm den Einwurf, legte sich den Suns-Verteidiger zurecht und versenkte mit 2,4 Sekunden auf der Anzeige einen Fadeaway-Jumper, der das AT&T Center in einen einzigen Brüllkörper verwandelte. 101:100 – Playoff-Ticket gelöst, sieben Durstjahre nach dem letzten Mal.
San Antonio feiert das Ende der längsten Trockenphase seit dem David-Robinson-Draft-1997. 22 Playoff-Jahre in Serie, dann sieben Jahre gar nichts – das war mehr Krampf als Durststrecke. Nun steht die Tabelle bei 52 Siegen, Platz zwei im Westen so gut wie sicher, und die Franchise, die einst Sparsamheit zur Kunst erhob, schmeißt mit Highlights um sich wie ein Teenager mit TikTok-Filtern.

Wembanyamas warnung lautet: jetzt erst recht nicht bremsen
Der Franzose selbst wirkt wie jemand, der gerade den Lottojackpot kassiert und schon den nächsten Schein löst. 34 Punkte, 12 Rebounds, zwei Blocks – Standard, klar. Aber die Szene nach dem Buzzer verrät mehr: Er winkt ab, umarmt kaum jemanden, sprintet direkt zum Ausgang. „Ich bin stolz, aber mein Instinkt sagt: Vergiss es. Wir haben noch zehn Spiele, und ich kenne die Liga. Ein Gang zurück bedeutet hier sofort einen Schlag ins Gesicht.“
Die Zahlen bestätigen seine Paranoia. Aus den letzten 22 Partien gewannen die Spurs 20 – beste Marke der Liga in diesem Zeitraum. Die Defense rangiert seit der All-Star-Pause auf Platz eins, obwohl Coach Popovich mit 75 Jahren eigentlich Gemütlichkeit verdient hätte. Stattdessen rotiert er wie ein DJ, der merkt, dass die Tanzfläche endlich wieder brennt.
Phoenix muss nun bangen. Mit 36 Niederlagen rutschen die Suns auf Rang zehn, die Play-in-Träume schrumpfen. Kevin Durant starrte nach Abpfiff auf die Anzeige, als würde sie persönlich beleidigen. „Wir haben ihm den Ball weggenommen, dann haben wir ihn wieder bekommen – und dann kam Wemby“, sagte Durant trocken. „Manchmal ist Basketball einfach ungerecht.“
Für San Antonio geht es am Freitag nach Houston. Die Spurs haben noch kein einziges Spiel in dieser Saison verloren, wenn sie Tags vorher einen Buzzer-Beater landeten. Die Serie lautet 5-0, die Stimmung im Teambus schwappt über, aber im Kopfhörer des Rookies läuft offenbar nur ein Song auf Repeat: Weiter, weiter, weiter.
Die Playoffs beginnen in vier Wochen. Wer jetzt denkt, die Spurs würden sich auf ihrem 52. Sieg ausruhen, kennt Victor Wembanyama schlecht. Sein letzter Satz nach dem Spiel klang wie ein Vorsatz für die ganze Liga: „Angst ist gut. Sie erinnert dich daran, dass du noch nichts gewonnen hast.“
