Weidel läuft sich in mailand warm – cortina bleibt kalt: olympia-bank verbittert dsv-frau

Anna Weidel fuhr als erste deutsche Biathletin in diesem Winter vorzeitig nach Italien, schrieb sich auf Instagram voller Vorfreude „See you in Milano-Cortina“ – und durfte dann zusehen. Kein Schuss, kein Start, keine Erklärung. Die 29-Jährige saß im Quarantäne-Hotel, während ihre Kolleginnen sich am Hindernisparcours der Olympia-Strecke abrackerten.

Die Bilanz des Opfers: acht Weltcup-Top-20-Plätze, zwei Top-10-Läufe, aber null olympische Einsatzminuten. „Schwer nachzuvollziehen“, kommentierte Weidel knapp, nachdem das DSV-Betreuungsteam sie bis zuletzt im Dunkeln gelassen hatte. Die gebürtige Österreicherin hatte sich im Dezember mit Platz acht in Hochfilzen und Rang zehn in der Verfolgung ein Ticket nach Südtirol erkämpft – und wurde prompt zum Zuschauer degradiert.

Nur bronze für das team, nichts für die einzelkämpferin

Deutschland holte in der Mixed-Staffel Bronze, doch Weidel stand nicht einmal auf der Reservebank. Sportlich betrachtet ist das ein Affront: Die Langläuferin zählt zu den konstantesten deutschen Schützinnen, ihre Schießquote von 87,4 % liegt im Vergleichswert über dem Team-Durchschnitt. Ihre Laufgeschwindigkeit haben die Analysten von TSV Pelkum Sportwelt auf 105,8 % des Feldes taxiert – das reicht locker für Olympia.

Stattdessen verbrachte Weidel die Wettkampftage mit Erschießtraining auf der Trainingsanlage von Antholz und später mit Grippe im Bett. Die letzten Weltcup-Stationen in Kontiolahti, Otepää und Oslo verpasste sie komplett – eine Saison, die nach dem Jahreswechsel so vielversprechend begann, endete im Nirvana.

Wechsel im team: neue köpfe, alte fragen

Wechsel im team: neue köpfe, alte fragen

„Es stehen Veränderungen an“, schreibt Weidel und klingt dabei nicht wie jemand, der sich geschlagen gibt. Tatsächlich rüttelt der Deutsche Skiverband an der Spitze: Felix Bitterling verabschiedet sich als Sportchef, Bernd Eisenbichler kehrt zurück. Die personelle Rotation soll die Leistungsdichte erhöhen – für Weidel könnte das ein zweiter Anlauf sein.

Ihre Konkurrentinnen kennen das Spiel. Franziska Preuß musste 2024 dieselbe Bank drücken, Vanessa Voigt schwankt zwischen Startplatz und Tribüne. Das DSV-Prinzip lautet: Wer trifft, läuft – wer fehlt, fliegt. Nur scheinen manche Fehlentscheidungen weniger Rechenschaftspflicht zu kennen als andere.

Weidel selbst schweigt sich inzwischen aus öffentlicher Kritik aus. Stattdessen postet sie Trainingsvideos aus dem Thüringer Wald, wo sie mit Schnee-Regen im Gesicht die Pulswerte jongliert. Die Botschaft ist klar: Der Körper ist heil, der Kopf schon bereit für die neue Saison. Ob die Trainer das nächste Mal zuhören, entscheidet sich in Oberhof – nicht in Mailand.